Vintage Port aus 2007!

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Portwein ist ein Thema mit dem sich viele Weinfreunde vielleicht noch nicht beschäftigt haben oder aber diesen Weinen bisher nichts abgewinnen konnten. Häufig bringt man Port mit einem viel zu süßen, viel zu alkoholreichen Gesöff in Verbindung, das sich ab und zu bei der Großmama im Ausschank befindet. Diese Negativ-Erfahrungen sind meist darauf zurück zu vollziehen, dass das Qualitätsniveau der probierten Portweine knapp unter der Teppichgrenze lag. Was hier im Februar im Bayer-Kasino in Leverkusen auf den Tischen stand, hatte da ein etwas anderes Format. Die Königsklasse des Portweins wurde hier degustiert, Vintage Port. Und zwar aus einem überragenden Jahr 2007. Aber Moment, was ist Portwein überhaupt?

Portwein ist ein so genannter „gespriteter“ Wein. Während der alkoholischen Gärung wird dem Wein Alkohol zugeführt, der den Gärungsprozess stoppt und so dafür sorgt, dass eine hohe Restsüße im Wein verbleibt. Der Alkoholgehalt beträgt am Ende dieses Vorgangs ca. 20 Vol. %.

Der Begriff Port leitet sich von dem Namen der zweitgrößten Stadt in Portugal, Oporto (Porto), ab. Von hier aus wird der im Douro-Gebiet angebaute und hergestellte Portwein bereits seit über 300 Jahren vertrieben.

Im 17. Jahrhundert war es englischen Weinhändlern in Frankreich aufgrund des Handelskrieges nicht mehr möglich, französische Weine nach England zu exportieren und so suchten sie in dem befreundeten Portugal nach interessantem Ersatz. Die rassigen und kräftigen Weine im Douro-Tal gefielen auf Anhieb.

Die Idee dem fermentierenden Wein Alkohol zuzufügen, um so einen restsüßen Wein zu erhalten, wird dem Abt eines Klosters in dem Bergdörfchen Lamego zugeschrieben. 1678 sind dann die Söhne eines Weinhändlers aus Liverpool, auf ihrer Suche nach neuem Wein im Douro-Tal, auf diesen süßen, alkoholreichen Wein aus dem Kloster gestoßen.

Seitdem hat sich das Geschäft mit Portwein zu einem Milliardengeschäft entwickelt. Die produzierte Menge variiert von Jahr zu Jahr stark, doch betrug Ende der Neunzigerjahre die Gesamtproduktion ca. 90 Million Liter. Hinzu kommt natürlich noch die Menge von Wein, die in anderen Teilen der Welt nach dem Vorbild von Port hergestellt wird, sich jedoch nicht Portwein nennen darf.

Für den Portwein dürfen offziell bis zu 80 verschiedene Rebsorten eingesetzt werden und es gibt verschiedeve Varianten des Portweins: Ruby, Tawny, Aged Tawny, Colheita, Single-quinta vintage, Late Bottled Vintage (LBV), Crusted Port, Garrafeira, White Port, Moscatel und schließlich Vintage Port. Über die verschiedenen Varianten lässt sich hier nachlesen, ich möchte mich der zuletzt genannten Variante zuwenden.

Vintage Port ist die teuerste Variante von Portwein. Er macht nur 1% des Portwein-Verkaufs aus und trotzdem wird ihm am meisten Aufmerksamkeit zu Teil. Vintage Port wird nur in ausgesprochen guten Jahrgängen aus dem besten Traubematerial produziert. Jedes Jahr wird mit großer Spannung erwartet, ob ein Portwein-Haus bzw. dass IVDP einen Vintage-Port „declared“. In den letzten 10 Jahren war dies für die Jahrgänge 2000, 2003 und nun auch für 2007 der Fall.

Vintage Ports werden nach zwei bis drei Jahren Reifezeit im Holz in kunstvoller Methode aus verschiedenen Rebsorten verschnitten und auf die Flasche gefüllt. Touriga Nacional ist hierbei fast immer die Rebsorte, die den höchsten Anteil ausmacht.

Der Wein erfreut sich meist reißendem Absatz und ist für seine extreme Langlebigkeit bekannt. 30 Jahre sind hierbei eher die Unter- als die Obergrenze.

2007 war im Douro-Tal ein ausgesprochen gutes Jahr, da die Trauben bei schönstem September-Wetter optimale Reife erlangen konnten. Eine Charakeristik eint in 2007 fast alle Vintage Ports: die Weine lassen sich bereits jetzt hervorragend trinken. Es sind keine tanninreichen, verschlossenen Monster, sondern fruchtbetonte Schmeichler mit unwahrscheinlicher Tiefe und einer tollen Frische.

Der Weinlakai probierte in Leverkusen eine große Auswahl an Portweinen und kam aus dem Staunen gar nicht mehr raus. War ich vorher noch nicht vollends davon überzeugt Portwein zu mögen, so bin ich nun zum Fan konvertiert.

Ich persönlich hatte zwei Favoriten: Der Warre’s hatte für mich das komplexeste und offenste Aromaprofil. Stundenlang hätte ich daran riechen können. Am Gaumen war ich von den rotbeerigen Aromen, vermischt mit Schokolade, Kaffee und schöner Mineralik, begeistert. Ein echter „Frauen-Port“, den alle Portwein-Skeptiker probieren sollten.

Der Graham’s präsentierte sich verschlossener und reservierter, allerdings zeigte er sich unwahrscheinlich gut balanciert und unendlich kraftvoll. Ich verstehe nicht viel von Alterungspotential, aber dieser Portwein hat es definitiv. Ein tolles Erlebnis.

Ganz nach Weinlakai-Tradition lasse ich aber im Folgenden internationale Weinkritiker zu Wort kommen. Ich habe verschiedene Bewertungen aufgeführt und zu einer Gesamtpunktzahl zusammengefasst. Dabei habe ich bei den Bewertungen von Jancis Robinson eine Übersetzung in das 100-Punkte-System vorgenommen und bei „Von-Bis“-Punkten habe ich den Zwischenwert als Grundlage genommen (siehe Werte in den Klammern).

Natürlich habe ich auch Einkaufsquellen recherchiert. Und ich muss sagen, für das was Portwein in 2007 bietet, ist das Preisniveau als günstig zu bezeichnen. Der Graham’s ist dabei ein wahrer Punkte-/Preissieger. Zu beachten ist außerdem, dass es fast alle Vintage Ports auch in halben Flaschen zu kaufen gibt.

 

 

Warre’s

JR 18 (93 Punkte)

WA 93

IWC 92

WS 95-98 (96,5 Punkte)

ø 93,625 Punkte

Hier für 63,- € kaufen!

 

 

 

Graham’s

JR 18+ (93,5 Punkte)

WA 97

IWC 94

WS 96-99 (97,5 Punkte)

ø 95,5 Punkte

Hier für 58,- € zu kaufen!

 

 

Taylor’s

JR 18+ (93,5 Punkte)

WA 95

IWC 94

WS 94-97 (95,5 Punkte)

ø 94,5 Punkte

Hier für 79,- € zu kaufen!

 

Fonseca

JR 18 (93 Punkte)

WA 94

IWC 89

WS 92-95 (93 Punkte)

ø 92,25 Punkte

Hier für 69,99 € zu kaufen (Österreich)!

 

 

Dow’s

JR 18 (93 Punkte)

WA 94

IWC 95

WS 94-97 (95,5 Punkte)

ø 94,375 Punkte

Hier für 68,- € zu kaufen!

 

 

Niepoort

JR 18 (93 Punkte)

WA 93

IWC 94

WS 93-96 (94,5 Punkte)

ø 93,625 Punkte

Hier für 69,50 € kaufen!

 

 

Quinta do Noval

JR 18.5 (94,5 Punkte)

WA 94

IWC 96

WS 94-97 (95,5 Punkte)

ø 95 Punkte

Hier für 65,- € kaufen!

 

Alle Preise gelten für eine 0,75-Flasche.

Legende:

JR = Jancis Robinson, 21. Mai 2009.

WA = Wine Advocate, Jay Miller, Februar 2010

IWC = International Wine Cellar, Stephen Tanzer, Januar 2010

WS = Wine Spectator, James Suckling, 2009

Stand: 05.03.2010. Nur solange der Vorrat reicht. Der Weinlakai übernimmt keine Verantwortung für die angegebenen Händler.

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4 Kommentare

  1. Warnung vor Weinhandelshaus Scholzen

    Vor dem Weinhandelhaus Scholzen kann ich nur warnen:
    Ich habe auf Empfehlung des Weinlakai zweimal dort sofort nach dem Erscheinen des Blog-Beitrags bestellt, wurde aber nie beliefert. Ich gehe davon aus, dass die verfügbaren Flaschen zu zwischenzeitlich erhöhten Preisen an spätere Besteller abgegeben wurden.
    Meine mehrfachen Beschwerden wurden vom Weinhandelshaus Scholzen durchwegs ignoriert.
    mfg,
    Stephan

  2. Hmmmm,….

    …….ich kann nix schlechtes sagen, ich habe 3 mal eine Bestellung abgeschickt und auch immer meine Ware bekommen.

  3. Scholzen

    Habe leider gleich schlechte Erfahrungen mit Scholzen gemacht. Insbesondere Bestellungen fuer Rhone 2007 wurden nie bestaetigt. Die Weine sind jedoch immer noch auf der Webseite.

  4. Scholzen – kein Einzelfall, gabs aber auch bei Karl Kerler

    Ich hatte beim Les Galets rouge 2007 (Rhone …) auch dieses Phänomen mit Scholzen. Bestellt – direkt automatische Bestätigung des Webshops. Nachfrage nach 14 Tagen, da ich nichts gehört hatte, der Wein noch einge Tage auf der Website war und nun ausverkauft war. Antwor:t Das er vom Weingut kommt. Nach 1,5 Monaten immer noch nicht geliefert und auf eine Nachfrage gab es keine Antwort mehr. Und der Wein ist auch nie gekommen.
    Davor gab es bei Karl Kerler aus Nürnberg mit dem gleichen Wein auch so ein Problem – aber noch krasser. Wie sich aus den Forumspostings ergab, wurden da nicht in der Reihenfolg der Bestellungen geliefert, sondern Teilmengen aufgeteilt – so verkauft man dann anderen Wein mit. Siehe http://www.stern.de/blog/63_der_weinlakai/archive/2187_nochmals_rhne_nochmals_ein_knaller.html
    Meine jetzt geschilderte Erfahrung mit Scholzen habe ihc dann gar nicht mehr mitgeteilt – aber es scheint ja kein Einzelfall. Ob das System hat, oder in mangelnder Organisation begründet liegt, ist im Ergebnis egal.
    Gute Preise sind eben nicht alles.

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