Best of 100: mein Favorit aus Ribera del Duero!

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2018 Prado Rey Adaro (Rotwein, Ribera del Duero, Spanien)

Zugegeben: Als mich die Einladung zu dem Ribera del Duero „Best of Blogger“-Event erreichte, war ich zunächst skeptisch. 100 Weine galt es zu probieren – alle aus einer Weinregion, die bei mir gemischte Gefühle auslöste. Selbstverständlich stammen von der Ribera del Duero einige der besten Weine Spaniens, doch lehrte mich mein letzter Besuch vor Ort (2016), dass ein Gros der Winzer nach wie vor neue Holzfässer sehr übertrieben einsetzten. Will meinen: Die Identität des Weines und der Rebsorte wurde in vielen Fällen von dem Einfluss des gerösteten Eichenaromas überlagert. Vor allem bei amerikanischem Neuholz bleibt dann sensorisch nur Kokos, Kokos und Kokos übrig. Doch Vorurteile sollten regelmäßig überprüft werden und so bin ich rückblickend heilfroh, die Einladung angenommen zu haben. Ribera del Duero ist nämlich in einer neuen Ära angekommen. Und einen neuen Lieblingswein habe ich außerdem gefunden!

Hoch hinaus: Ribera del Duero

Die DO Ribera del Duero hat etwas Faszinierendes: Erst der Blick auf einen Höhenmesser oder die entsprechende App machen klar, dass man sich weit oben befindet – Höhen zwischen 750 und 850 Metern sind völlig normal. Beispielsweise in Südtirol ist man sich der hohen Lage immer bewusst, hier blickt man ständig auf Berge. An der Ribera del Duero sind sanfte Hügel und leichte Anstiege alles das höchste der Gefühle.

Der Vorteil für den Weinbau ist dabei enorm: Die großen Temperaturschwankungen zwischen Tag und Nacht in dieser Höhe sorgen dafür, dass sowohl Aroma als auch Säure durch die kühlen Nächte in den Beeren enthalten bleiben. Zudem dauert der gesamte Vegetationsprozess länger als in der Ebene. Dadurch können die Trauben langsamer und mit viel Energie ihr ganzes Potenzial entfalten.

Hoch, aber nicht hügelig: Durch die Lage auf einem Hochplateau wird man sich der Höhe erst durch einen Höhenmesser bewusst.

Spanien, klar, aber wo genau sind wir überhaupt? Ribera del Duero liegt in der Region Castilla y León, die wiederum im Nordwesten des Landes zu finden ist. Provinzen wie Burgos, Soria, Segovia und Valladolid sind vielleicht einigen Spanien-Urlaubern bekannt. Der Duero als Fluss leistet – wie anderenorts auch – einen wichtigen Beitrag für den Weinbau, denn er wirkt sowohl im Sommer als auch im Winter temperaturausgleichend. So ist es wenig verwunderlich, dass am Duero bereits seit über 2.000 Jahren Weinbau betrieben wird.

Das Klima hier ist eine Mischung aus kontinentalen und mediterranen Einflüssen. Im Hochsommer ist es trotz der Höhenlage häufig 40 Grad heiß und nachts kühlt es auf bis zu 15 Grad ab. Wie erwähnt: eine Wohltat für die Reben. In Kombination mit 2.400 Stunden jährlichem Sonnenschein nicht nur ein Garant für hochqualitative, sondern auch für vollreife Beeren. Mit 450 mm jährlichem Niederschlag herrscht an der Ribera del Duero jedoch Wassermangel. Daraus entsteht für die Reben „Wasserstress“ – eine teils nützlicher Effekt, denn so treiben die Reben ihre Wurzeln in tiefere Erdschichten, um an Wasser zu gelangen. Doch alles hat seine Grenzen und in Ausnahmesituationen hilft an der Ribera del Duero nur noch künstliche Bewässerung.

Alte Buschreben sorgen für geringen Ertrag, aber sehr hohe Qualität in den wenigen Trauben.

Nach den Regionen La Mancha, Rioja und Penedés ist die DO Ribera del Duero mit einer Rebfläche von knapp 24.000 Hektar die viertgrößte Weinregion Spaniens (Stand: 2019). Damit ist die Region in etwa so groß wie die Pfalz, das zweitgrößte Anbaugebiet Deutschlands.

Die zwei wichtigsten Rebsorten sind Tinta del País und Tinto Fino. Noch nie gehört? In Wahrheit sind es auch gar nicht zwei, sondern es handelt sich bei den Bezeichnungen um regional genutzte Synonyme für die Rebsorte Tempranillo. In der DO Ribera del Duero geht es also in Sachen Rebsorte typisch spanisch zu.

Der Boden in der Region passt bestens zu Tempranillo: Der alte Sockel der nördlichen Meseta ist durch tertiäre Sedimente geprägt. Dabei handelt es sich um sandige, schlammig-sandige oder lehmig-sandige Schichten, die nicht selten von Kalk durchsetzt sind. Schlamm und Lehm drücken sich in dichten und strukturierten Anteilen in den Weinen aus. Kalk und Sand stehen für Mineralität, Feingliedrigkeit und Frische. Eine ideale Mischung für gehaltvolle Rotweine.

Ribera del Duero: eine Marathon-Verkostung

Doch wie eingangs erwähnt, bringen diese idealen Voraussetzungen nur wenig, wenn Winzer und Weingüter einem vermeintlichen Trend folgen und ihre Weine mit zu massivem Neuholz-Einsatz völlig maskieren. Ich mag Vanille, ich mag auch Kokosnuss, aber eben nicht, wenn diese Aromen Weinen ihre Identität rauben.

Der Best of Blogger Event fand in Düsseldorf statt und das schöne Ambiente sowie die perfekte Organisation ließ meine Vorbehalte schnell vergessen. Zwei Teams mit je fünf Weinblogger-Kollegen verkosteten an dem Tag jeweils 50 Weine. Dabei war die Zuweisung der Weine auf die Teams dem Zufall überlassen. Wir wussten vorab auch nicht, dass die Weine in die drei Kategorien – „junge Weine“, (2018/2019) „leicht gereifte Weine“ (2017/2016) und „lange gereifte Weine“ (2015 und davor) – unterteilt waren. Die finalen Bewertungen der Weine basieren dabei auf dem Durchschnittswert der von allen Teilnehmern vergebenen Punkte.

Mir machen solche Verkostungen immer Spaß, auch wenn du hoch konzentriert bleiben musst und es bei dieser Menge in echte Arbeit ausartet. Doch man hat die tolle Möglichkeit in kurzer Zeit viele Weine einer Region kennenzulernen. Für mein Vorurteil und mich wichtig, denn so gelangte ich schnell zu einem ganz anderen Bild, als das von mir vor einigen Jahren abgespeicherte: Der Umgang mit Holzausbau hat sich radikal verändert. Die Zeit im Fass war praktisch allen Weinen nur sehr dezent anzumerken. Vielmehr überwogen die Vorteile durch ein höheres Maß an Komplexität und Balance.

Vorher/Nachher: Ja, Verkosten von dieser Menge Wein ist echte Arbeit!

Ribera del Duero: mein Lieblingswein

Ein Wein hatte es mir am Ende des Tages besonders angetan: der „Adaro“ von den Bodegas Prado Rey. Er gehörte durch seinen Jahrgang 2018 in die Kategorie „junge Weine“. Eine etwas irreführende Bezeichnung, da er bereits als Crianza daherkommt und sich durch die Reife im Fass aktuell in einem optimalen Trinkfenster befindet.

Der Wein stammt von Weinbergen in 800 Metern Höhe, die in Sachen Boden von Lehm und Kalk geprägt sind. Ganz typisch für die Region also und mit den von mir bereits geschilderten Vorzügen ausgestattet.

Der Ausbau der per Hand streng selektieren Trauben für den Adaro erfolgt 12 Monate in neuen französischen Eichenholzfässern. Durch die enorm hohe Qualität des Traubenmaterials lässt sich der Wein durch die Aromen des Holzes wenig beeindrucken. Er behält seine Identität unbeirrt bei und lässt die Holzaromen nur für eine gekonnte Untermalung sorgen. Drei weitere Monate in speziellen, konisch geformten Holzfässern verleihen dem Wein mehr Offenheit und Zugänglichkeit.

Mit meinem positiven Urteil war ich bei der Veranstaltung nicht allein. Der Adaro belegte in der bereits angesprochenen Kategorie den ersten Platz. Für mich war sofort klar, dass ich den Wein meinen Lesern vorstellen muss. Der vergleichsweise hohe Preis ist mir zwar bewusst, doch gibt es einige Gründen, den Wein unbedingt zu kaufen:

1. Der Wein ist sein Geld mehr als wert.
2. Durch den Angebotspreis meines Handelspartners ist er geradezu ein Schnäppchen.
3. Weihnachten steht bald vor der Tür.
4. Ribera del Duero lohnt es sich besonders auf diesem Niveau kennenzulernen.

In diesem Sinne: ¡Salud! und danke nochmals für die Einladung.

2018 Prado Rey Adaro (Rotwein, Ribera del Duero, Spanien)



Auge
Dunkles Rubinrot.

Nase
Der Geruch wirkt zunächst sehr schwarzbeerig geprägt – allen voran durch Brombeeren und Heidelbeeren. Mit mehr Luft aber auch Sauerkirschen und Himbeeren. Röstaromen sowie Kaffee und Süßholz erweitern den aromatischen Horizont durch den Ausbau im französischen Holz.

Gaumen
Am Gaumen mit massiver Struktur und vollem Körper, dennoch mit einem vornehmen Mundgefühl. Zudem setzt sich hier das intensive Potpourri von roten und schwarzen Beeren fort und wird durch Gewürz-Anklänge ergänzt. Die sehr gute Balance zwischen frischer Säure und samtenen Tannine wird durch eine feine Mineralität getragen. Im langen Abgang wunderbar balanciert.

Sonstiges
Besteht aus 100 % Tempranillo. Enthält 14 % Alkohol. Bei 16 bis 18 Grad Celsius und bis 2028 zu genießen.

3 Flaschen für 53,70 EUR  (17,90 EUR/Fl.)

Die Einzelflasche kostet 21,50 EUR
Hier vergangene Empfehlungen finden

 

WEINGUT FAKTEN

Ort /// Burgos, Spanien

Anbaugebiet /// DO Ribera del Duero (Spanien)

Rebfläche /// 520 Hektar

Gründungsjahr /// Ende 1980er

 

Auch wenn ich meine Weinempfehlungen unabhängig recherchiere und sorgfältig auswähle, bin ich nach E-Commerce-Richtlinie 2000/31/EG sowie Telemediengesetz (TMG) und dem Rundfunkstaatsvertrag (RStV) dazu verpflichtet anzugeben, dass es sich bei dem angegebenen Link um Werbung handelt.

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