Manfred Krankl und sein Weingut Sine Qua Non

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Jeder kennt das Gefühl: Man öffnet den Briefkasten und zwischen der üblichen Werbepost lugt ein Brief in adretter Recycling-Papier-Aufmachung hervor. Dabei handelt es sich nur selten um die Urlaubsgrüße von Tante Toni, sondern viel häufiger um eine unangenehme Art, «Bescheid gesagt» zu bekommen. Nun, ähnlich geht es mir mit Post, die ich vom Weingut Sine Qua Non aus dem südlichen Kalifornien bekomme: Seit nunmehr sechs Jahren erhalte ich in regelmäßigen Abständen eine Postkarte, die mir auf äußerst charmante und entschuldigende Art deutlich macht, dass ich leider immer noch nicht würdig genug bin, um Weine von Sine Qua Non erwerben zu dürfen.

LOGODa ich ein ungeduldiger Mensch bin, ist eine solche Wartezeit nicht tolerabel, und so ist es mir zwischenzeitlich gelungen, über andere «Kanäle» ein paar Flaschen dieser exklusiven Weine zusammenzukaufen. Natürlich ist der Preis dafür denkbar höher als bei «Erstabnahmen», und man lässt sich zum Teil auf riskante Käufe ein (Stichwort Auktionen).

Aber wir wissen ja: Beim Thema Wein bleibt die Ratio sehr schnell auf der Strecke.

Ach ja, Entschuldigung, Sie fragen sich gerade: «Sine Qua was?» Ja, auch diese Eigenschaft haben kleine Kultweingüter: Sie verstecken sich, machen sich rar. Wenn da nicht diese Weinjournalisten wären, die den Weinen ab und an unverschämt hohe Bewertungen geben. Ohne diese könnten die meist sehr introvertierten Winzer ihren Wein ganz in Ruhe selber trinken.

Sine Qua Non ist im kalifornischen Gebiet Central Coast beheimatet, etwa 120 km nördlich von Los Angeles. Somit fernab von dem berühmten und mittlerweile sehr touristisch geprägten Napa Valley nördlich von San Francisco.

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Das im Ventura County liegende Weingut hat sich den klassischen Rhône-Rebsorten verschrieben – allen voran Grenache und Syrah. Mit dieser Ausrichtung steht Sine Qua Non nicht allein da: Als «Rhône-Ranger» bezeichnen sich schon seit Beginn der 90er Jahre eine ganze Reihe von amerikanischen Winzern mit ähnlichem Konzept.

Der Mensch hinter den Flaschen von Sine Qua Non heisst Manfred Krankl. Er ist gebürtiger Österreicher und betreibt mit seiner Frau Elaine ein Weingut, das aus unterschiedlichsten Gründen Kultstatus erreicht hat. Selbstverständlich in erster Linie durch die hohe Qualität der Weine, aber auch durch die Tatsache, dass jede Flasche ein kleines Kunstwerk ist.

Etikettengestaltung der Weine werden jedes Jahr aufs Neue erdacht. Und das in Eigenregie von Meister Krankl, der seine künstlerische Ader in die kreative Gestaltung der Etiketten einfließen lässt und sich dazu passende, wenn auch meist ungewöhnliche Namen ausdenkt (z. B. «Poker Face», «Dangerous Birds», «Against The Wall» oder «Upside Down»).

Um meinen Lesern ein möglichst genaues Bild von Sine Qua Non zu zeichnen,

habe ich zunächst das Naheliegende getan und mit Manfred Krankl über sein Weingut gesprochen.

Dieser Teil meines Berichtes war der vergleichsweise einfache. Schwieriger wurde dann das Unterfangen, ein paar seiner Weine zu verkosten.

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Manfred Krankl im Gespräch mit dem Weinlakai

Weinlakai (WL): Wo in Österreich wurden Sie geboren und gab es dort bereits eine Sozialisation mit Wein?

Manfred Krankl (MK): Ich bin in Enns aufgewachsen. Das ist in der Nähe von Linz in Oberösterreich. Und, nein, ich hatte eigentlich nichts mit Wein zu tun. Meine Eltern tranken zwar Wein, aber wir waren eher arm und so war der Wein bei uns zu Hause deshalb nichts Besonderes, weil es die typischen Zweiliter-Flaschen waren, die praktisch nichts kosteten. Mein Elternhaus hat mich hier also nicht beeinflusst. Erst im Zuge meiner Ausbildung in der Gastronomie entwickelte sich mein Interesse für Wein.

WL: Wo haben Sie diese Ausbildung gemacht?

MK: In einem Hotel in Gmunden am Traunsee. Von diesem Zeitpunkt an war Wein immer ein Thema für mich. Aber zu dieser Zeit hatte ich natürlich noch keinerlei Ambitionen, irgendwann einmal meinen eigenen Wein zu machen.

WL: Und wie kamen Sie in die USA?

MK: Mit Anfang 20 arbeitete ich in einem Hotel im Ellmau, Tirol. Dort beschloss ich mit einem Freund völlig blauäugig, dass es Zeit war abzuhauen und nach Kanada zu gehen. Dieses Vorhaben haben wir dann so schwachsinnig wie nur möglich umgesetzt. Ohne konkreten Plan und ohne jegliche Vorbereitung haben wir unsere Sachen gepackt. Wir sind nach Toronto geflogen und hofften hier unseren Lebensunterhalt zu verdienen. Dort angekommen machten wir erst einmal eine Zeit lang gar nichts und später versuchten wir, Jobs zu bekommen. Aber niemand hatte Interesse daran, uns zu beschäftigen – nicht zuletzt, da wir kaum Englisch sprachen. So waren unsere Ersparnisse sehr schnell erschöpft und unsere Verzweiflung wurde immer größer. Da wir aber bei unseren Freunden in Österreich mit unserem Weggang ziemlich angegeben hatten, wollten wir uns nicht die Blöße geben und einfach zurückgehen. So kam es, dass uns ein Kanadier irgendwann riet, nach Griechenland zu gehen, was wir dann auch taten. Auf einem Frachtschiff im Übrigen. In Griechenland angekommen schlug ich mich dann 7–8 Monate mit Gelegenheitsjobs durch und lebte im Grunde wie ein Penner. Und als dann das Geld ganz und gar aufgebraucht war, kehrte ich schliesslich doch nach Österreich zurück. Allerdings lernte ich während der Zeit in Griechenland eine Frau kennen, die dann später meine erste Frau wurde. So blieb ich nur ein gutes halbes Jahr zu Hause und ging dann in die USA, nach Los Angeles, um nach dieser Frau zu suchen. Das war 1980 und ich war 24 Jahre alt. Und danach bin ich nie wieder heimgekehrt.

WL: Wie bekam das Thema Wein schliesslich einen so hohen Stellenwert für Sie?

MK: Nun, eigentlich wie bei vielen Menschen. Langsam, aber stetig. Seit meiner Ausbildung wuchs mein Interesse, und da ich immer in der Gastronomie beschäftigt war, lernte ich auch immer mehr über Wein. Mein erster Job in L. A. war in einem Käse- und Weingeschäft und später arbeitete ich in einem Hotel, das ich später sogar als Manager führte. So entwickelte sich in diesem Zuge auch meine Beziehung zu Wein. Und nach meiner Zeit in diesem Hotel eröffnete ich mit zwei Freunden 1989 ein Restaurant, das Campanile, und kümmerte mich dort von Anfang an um die Weinkarte.

WL: Wie entstanden dann schliesslich Ihre ersten eigenen Weine?

MK: Nach einiger Zeit hatte ich dann die Idee, einen eigenen Hauswein für das Restaurant zu machen. Ein Hauswein war in Restaurants typischerweise der günstigste Wein auf der Karte, aber auch meist der schlechteste. Ich hatte nie verstehen können, warum der Wein, der das Restaurant auf dem Etikett trägt, der schlechteste Wein sein musste. Das wollte ich nicht. So kam ich 1990 mit verschiedenen Winzern ins Gespräch und erzählte ihnen von der Idee. Das Campanile hatte bereits einen sehr guten Ruf und so waren die Weinbetriebe der Idee gegenüber sehr offen, obwohl ich den Wunsch äußerte, dass ich bei der Produktion des Weines stark involviert sein wollte. Das Projekt machte mir Riesenspaß und so entstand zusammen mit der Babcock Winery ein 1990er Chardonnay. Dieser Wein kam im Restaurant sehr gut an und erweckte auch bei anderen Restaurants und Weingeschäften großes Interesse. Dadurch machte die ganze Sache natürlich noch mehr Spaß und es entstanden von da an noch einige Weine, die ich mit verschiedenen Winzern produzierte.

WL: Aber zur gleichen Zeit kümmerten Sie sich auch noch um ein weiteres Projekt?

MK: Ja, richtig. Im Zuge der Restaurant-Gründung eröffneten wir im gleichen Gebäude eine kleine Bäckerei. Hauptsächlich, da wir für unser Restaurant ordentliches Brot wollten und es zu dieser Zeit in Los Angeles einfach nur dieses labberige Weißbrot gab. Die Bäckerei wurde dann ein Riesenerfolg und wir mussten bereits nach den ersten Jahren in eine größere Location ausweichen. Und nach nochmals einiger Zeit war «La Brea Bakery» auf einmal unsere größte Einnahmequelle. Das Restaurant war irgendwann nur noch sekundär, obwohl die ursprüngliche Idee ja ein Restaurant mit einer daran angeschlossenen Bäckerei war. Wirklich seltsam, wie sich die Dinge manchmal entwickeln. Als wir die Bäckerei in 2001 verkauften, hatten wir neben dem Verkaufsgeschäft auch noch einen Betrieb, der das Brot für Lieferungen in den Großraum Los Angeles backte, und eine riesige Tiefkühlproduktion, um das Brot tiefgefroren in den ganzen USA zu verkaufen. Insgesamt waren zu diesem Zeitpunkt 500 Leute für «La Brea» beschäftigt.

WL: Das alles klingt danach, dass Sie ein talentierter Geschäftsmann sind!

MK: Nun, wir haben ein Sprichwort hier, das ich sehr passend finde: «It’s 90 % perspiration and 10 % inspiration.» (Anm. WL: Erfolg ist 90 % Schweiß und 10 % Inspiration).

WL: Zurück zu dem Hauswein-Projekt. Wie kam es schließlich dazu, dass das Thema für Sie wichtiger als Restaurant und sogar Bäckerei-Betrieb wurde?

MK: Ich liebte es von Anfang an, immer wieder etwas Neues zu machen. Bereits im Restaurant war uns wichtig, dass wir jeden Tag eine neue Karte hatten. Mir war die Vorstellung fremd, in einen gewissen Trott zu verfallen. Und das Thema Wein gab mir genau diese Abwechslung. Durch die Zusammenarbeit mit einer ganzen Reihe von Winzern und der Tatsache, dass ich in den Herstellungsprozess involviert war, lernte ich unendlich viel und vor allem machte es wahnsinnig viel Spaß. Am Ende eines Projekts mit dem großartigen John Alban (Anm. WL: Alban Vineyards) war ich dann einfach der Meinung, dass ich ein paar Fässer selbst herstellen könne. Ich mietete mich dafür bei einem befreundeten Winzer ein (Anm. WL: Adam Tolmach, Ojai Winery) und legte los. Zu diesem Zeitpunkt hätte ich natürlich noch immer nicht gedacht, dass dieses Hobby einmal mein Beruf werden könnte, aber es gewann deutlich an Ernsthaftigkeit. Das Risiko war anfangs zudem überschaubar, denn ich mietete nur eine kleine Rebfläche und der erste Jahrgang produzierte gerade einmal viereinhalb Fässer, was 100 Kisten entsprach. Wenn es schlecht gelaufen wäre, hätte ich einfach die Kellner in unserem Restaurant dazu gezwungen, den Wein unseren Gästen zu verkaufen. (lacht)

WL: Aber es kam ja dann doch glücklicherweise anders?

MK: Nun, als mein erster Wein schließlich auf der Flasche war, fand ich ihn gut, aber mit seinem Erstlingswerk ist man ja grundsätzlich eher unsicher. Insbesondere da ich ja kein Önologe war und meine Erfahrungen insgesamt betrachtet eher überschaubar. Was ich aber tat, war, dass ich den Wein Robert Parker schickte und ihn bat, den Wein zu probieren.

WL: Welcher Wein war das?

MK: Mein erster Wein war der 1994er Syrah namens «Queen of Spades» aus dem Weinberg Bien Nacido .

WL: Wie reagierte Robert Parker?

MK: Er liebte den Wein. Er rief eines Tages meine Frau an, sagte ihr, dass er den Wein sehr möge und ein paar Flaschen kaufen möchte. Er fragte sie nach unserer Telefonnummer, da er diese in seinem Bericht über den Wein nennen wollte, und meine Frau gab ihm unsere Privatnummer. Mr. Parker riet ihr daraufhin glücklicherweise, eine andere Nummer zu nennen, da wohl einige Interessenten anrufen würden. Wir haben uns dann extra einen separaten Geschäftsanschluss einrichten lassen. Wir waren also wirklich auf diese Reaktion nicht vorbereitet. Robert Parker gab dem Wein dann in seinem «Wine Advocate» 95 Punkte. Anschließend waren die 100 Kisten nach drei Tagen ausverkauft. Diese Erfahrung war für mich so inspirierend, dass mich danach nichts mehr zurückhalten konnte. (lacht) Danach war klar, dass es weitere Weine von Sine Qua Non geben würde, und wir kauften schließlich ein altes Lagerhaus, das wir mit sehr spartanischen Mitteln zu unserem Weingut umbauten.

WL: Wie ließ sich dieses Engagement mit Ihrer Tätigkeit in der La Brea Bakery vereinbaren?

MK: Irgendwann gar nicht mehr. Ich saß nur noch im Auto und fuhr zwischen Weingut und Bäckerei hunderte Kilometer am Tag. Mir wurde klar: Entweder lässt sich meine Frau bald scheiden oder ich falle einfach tot um. Und so verkaufte ich schließlich die La Brea Bakery in 2001. Günstigerweise zu einem Zeitpunkt, als es dem Unternehmen ausgesprochen gut ging. So konnte ich mit dem Erlös Weinberge kaufen und die gesamte Organisation erweitern. In diesem Zuge wurde es mehr als nur ein Hobby.

WL: Gab es denn zu irgendeinem Zeitpunkt eine Art konzeptionellen Masterplan für Sine Qua Non?

MK: Nicht wirklich. (lacht) Das hört sich vielleicht seltsam an, aber ich habe mich bis zum heutigen Tage nie hingesetzt und versucht, eine Art Planung für die kommende Zeit aufzustellen. Von einem professionellen Business-Plan ganz zu schweigen. Sine Qua Non wird nach wie vor ausschließlich von Leidenschaft getrieben. Und da wir das große Glück hatten, von Anfang an Kaufinteressenten zu haben, konnten wir den ganzen geschäftlichen Teil eher leichtfertig betrachten. Mir ist klar, dass dies nicht der Norm entspricht. Ich wusste ja von der Bäckerei, was es heißt, ein komplexes Geschäft zu führen. Aber bei Sine Qua Non haben wir noch kein einziges Mal ein Jahresbudget aufgestellt. Ich könnte z. B. spontan nicht sagen, was wir letztes Jahr für Fässer ausgegeben haben. Wir kaufen die Sachen, die wir brauchen, und glücklicherweise geht es immer gut aus. Ich bin mir bewusst, dass solche Zustände absolut luxuriös sind. Aber ich habe in meinem Leben so viel Zeit in Meetings verbracht und so viele Gespräche mit Anwälten geführt, dass ich an diesem Lebensmodell unbedingt festhalten möchte. Wir führen Sine Qua Non weniger geschäftsmäßig als vielmehr künstlerisch.

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WL: Was waren denn Ihre Ziele in Bezug auf die Weinherstellung an sich?

MK: Durch die Tatsache, dass das «Campanile» sich sehr schnell zu einem der besten Restaurants in Los Angeles entwickelte, hatte ich den Vorteil, dass mir sehr viele Leute ihren Wein verkaufen wollten. Denn auf diese Weise lernte ich unwahrscheinlich viele verschiedene Weine aus aller Welt kennen; auch durch Reisen in praktisch alle Weingebiete der Welt. Und ich mag Abwechslung. Ich beschäftigte mich mit den unterschiedlichsten Rebsorten und Stilistiken. So lernte ich meinen eigenen Geschmack sehr gut kennen und fand für mich schließlich heraus, dass mich die Rebsorten des französischen Rhône-Tals am meisten ansprachen, also hauptsächlich Syrah und Grenache. Ich mag zwar nach wie vor alle guten Weine und das Campanile war ja eher italophil, aber diese Rhône-Weine zogen mich einfach am stärksten an. Zudem hatte ich das Gefühl, dass diese Rebsorten besonders gut unter den in Südkalifornien vorherrschenden Bedingungen wachsen könnten.

WL: Aber sind die klimatischen Bedingungen hier nicht doch andere als im Rhône- Tal?

MK: Das Erste, woran man bei Kalifornien natürlich denkt, ist Sonnenschein. Wir sind hier – insgesamt betrachtet – mit einem wundervollen Klima gesegnet. Natürlich gibt es auch hier wärmere und kühlere Gebiete, doch fördert das Klima immer die Entstehung von superreifen und besonders reichhaltigen Weinen mit vollem Körper. Und diesem «Terroir» wollte ich unbedingt treu bleiben. Es ist für mich daher selbstverständlich, dass die klimatischen Bedingungen mir vorgeben, welche Art von Weinen ich mache.

WL: Aber «Reife» wird ja durchaus unterschiedlich interpretiert.

MK: Ja, darüber gibt es immer wieder Dispute. Was ist Reife? Wann ist ein Wein zu reif, wann ist er nicht reif genug? Aber für mich stellte es sich Anfang der 90er in Kalifornien so dar, dass eine Menge Winzer immer noch versuchten, Weine mit französischer Stilistik zu produzieren. Dabei vergaß man, dass man in einem anderen Klima nicht die gleichen Weine herstellen kann – selbst wenn man die identischen Vinifizierungsmethoden verwendet. Für mich schien es immer albern, zu glauben, dass man etwas kopieren könne, das in einer völlig anderen Umgebung entstanden ist. Viele haben z. B. versucht, einen Syrah zu produzieren, der wie ein Côte-Rôtie schmeckt. Wie soll das gehen? Dort herrscht ein völlig anderes Klima und man hat ganz andere Böden …

WL: … und eher das Problem, die Trauben nicht reif genug zu bekommen.

MK: Genau. Insbesondere in Frankreich, aber auch in Deutschland dreht sich die Arbeit im Weinberg hauptsächlich darum, die Frucht ausreichend reif zu bekommen und Wege zu finden, das Wasser von unerwünschtem Niederschlag möglichst schnell abzuführen. Das alles macht in diesen Regionen absolut Sinn. Nur hier eben nicht, denn rate mal, wie oft es in der Regel in Kalifornien zwischen April und November regnet? Null Komma gar nicht! Unsere Probleme sind also meist gegenteilig.

WL: Doch diese Nachahmer von europäischen Weinen sind seltener geworden?

MK: Mittlerweile ja. Die meisten kalifornischen Weine reflektieren heutzutage genau das, was unser Terroir bereithält. Nur das kann, aus meiner Sicht, der richtige Ansatz sein. Ich wollte von Anfang an Weine machen, die lecker, komplex, vielschichtig und alterungsfähig sind. Eben durch und durch kalifornische Weine. Und in diesem Zuge muss man sich mit ganz anderen Herausforderungen beschäftigen: Wie gehe ich mit zu viel Hitze um oder wie bewässern wir unsere Weinberge am besten?

WL: Solch ein Klima zeitigt auch recht alkoholreiche Weine. Was halten Sie von den aktuellen Diskussionen, die den steigenden Alkoholgehalt in Weinen verteufeln?

MK: Diese Stimmen sind natürlich auch in den USA sehr laut, und die meisten meiner Weine haben vergleichsweise viel Alkohol. Aber für mich ist der Alkoholgehalt nur eine Zahl. Und die darf man auf keinen Fall isoliert betrachten. Viele Menschen sind leider bei diesem Thema schon so voreingenommen, dass sie den Wein erst gar nicht mehr probieren. Lassen Sie es mich so erklären: Wenn ich Ihnen sage, dass eine Person 110 kg wiegt, wissen Sie noch lange nicht, ob diese Person dick oder groß, unsportlich oder athletisch ist. Sie kennen nur diese Zahl. Wenn ich Ihnen aber jetzt noch die Größe der Person verrate, ergibt sich schon ein viel klareres Bild von dem Menschen. Und so betrachte ich auch Alkohol im Wein. Er ist Teil eines Ganzen und sollte nie isoliert betrachtet werden.

WL: Aber Menschen mit wenig Weinexpertise sind bei dem Thema schnell verunsichert. Was raten Sie ihnen?

MK: Zunächst sollte man den Wein probieren, denn der Eindruck von Alkohol ist sehr individuell und unterliegt auch Veränderungen in der eigenen Wahrnehmung. Was der eine als störend empfindet, ist für den anderen völlig in Ordnung. Es liegt an der eigenen «Gaumen-Historie». Und wenn der Wein dann zu alkoholisch wirkt, dann ist er wohl zu alkoholisch. So einfach ist das. Und wenn dem eben nicht so ist, bedeutet eine Zahl rein gar nichts. Hinzu kommt, dass ein Wein, der sehr dicht und konzentriert ist – das heisst, die Trauben waren sehr reif und noch dazu vielleicht die Schalen sehr dick –, einen hohen Alkoholgehalt vertragen kann, ohne dabei alkoholisch zu wirken. Aber wie gesagt: Weine aus allen Regionen der Welt können alkoholdominiert wirken, ganz unabhängig von dem gemessenen Alkoholgehalt.

WL: Trotzdem gibt es aber auch Weine, die durch ihre perfekte Ausgewogenheit für wenig Disput unter Weintrinkern sorgen.

MK: Sicher, deshalb würden alle halbwegs vernünftigen Weintrinker zustimmen, dass manche Weine mehr Balance zeigen als andere. Ganz egal, ob es leichte Weine sind oder körperreiche. Und genau hier liegt die Kunst beim Weinmachen: Der Winzer muss mit Hilfe seiner Intuition entscheiden, wann der richtige Zeitpunkt für gewisse Weichenstellungen gekommen ist. Ob beim Reifegrad der Trauben oder z. B. bei der Dauer der Mazeration. Alles sind Faktoren, die die Ausgewogenheit des Weines nachhaltig beeinflussen. Und das jedes Jahr aufs Neue.

WL: Ist diese alle Jahre wiederkehrende Herausforderung der Grund dafür, dass die Weine von Sine Qua Non jedes Jahr ein anderes Etikett und einen anderen Namen haben?

MK: In gewisser Weise ja, auch wenn es keine bewusste Entscheidung von mir war. Ich versuche mich bereits seit meiner Jugend auch künstlerisch auszudrücken, und so war es für mich naheliegend, auch bei meinen Weinen kreativ zu werden. Denn wissen Sie, Wein wird ja schließlich mit allen Sinnen wahrgenommen. Man schaut auf die Farbe, man riecht, man schmeckt. Und so war ich mir sicher, dass dieser künstlerische Aspekt bei Weininteressierten gut ankommen würde.

WL: Ihre Fans empfinden bereits die Flaschen als kleine Kunstwerke.

MK: Die Etiketten und die Namensfindungen bekräftigten zudem die Tatsache, dass es sich bei den Weinen von Sine Qua Non um Handarbeit handelt. Denn selbst das Etikett wird von den Menschen gestaltet, die auch den Wein produzieren. Für mich stellt dieser Ansatz das Gegenteil eines kommerziellen Produktes dar.

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Etikett des Weines „Ode to E“ – eine Hommage an seine Frau Elaine

WL: Handarbeit, die jedes Jahr – im wahrsten Sinne des Wortes – andere Früchte trägt.

MK: Das ist das Schöne daran. Wein kann sich nie wiederholen, er ist nicht Coca-Cola. Selbst wenn man vehement versuchen würde, einen Wein zu produzieren, der mit dem des Vorjahrs identisch ist, es würde einfach nicht gelingen. Dieser Tatsache tragen die Flaschen von Sine Qua Non Rechnung. Ich betrachte es wie mit eigenen Kindern. Man liebt sie nicht für ihre Gleichheit, sondern wegen ihrer Individualität. WL: Das heißt, diese Strategie ist nicht Teil eines intelligenten Marketings? MK: Nein, so habe ich darüber nie nachgedacht. Dieser Ansatz kam von Anfang an von Herzen und ich konnte es mir nie anders vorstellen. Nur so kann ich wirklich Spaß haben. Die Vorstellung, dass sich auf dem Etikett jedes Jahr nur der Jahrgang ändert, fand ich von Anfang an schrecklich. Das wäre mir zu langweilig. Am Ende des Tages möchte ich mich damit einfach nur selbst «entertainen». (lacht)

WL: Was sind Ihre wichtigsten Prinzipien bei der Weinherstellung?

MK: Vieles ist mittlerweile natürlich intuitiv gesteuert. Ich denke aber, das Wichtigste ist, ein Verständnis dafür zu entwickeln, dass Weinreben etwas Lebendiges sind. Jede Maßnahme, die man ergreift, hat eine gewisse Reaktion zur Folge. Dies versuche ich insbesondere unseren Mitarbeitern in den Weinbergen deutlich zu machen. Zudem ist es wichtig, zu realisieren, dass es für nichts ein Patentrezept gibt. Als ich anfing, selbst Wein zu produzieren, besuchte ich meine Lieblingsweingüter in der ganzen Welt. Blauäugig wie ich war, versuchte ich auf diese Weise eine Schnittmenge zu finden, die mir das perfekte Prinzip der Weinherstellung verraten würde. Nur leider funktionierte das überhaupt nicht. Der eine lehnte z. B. die Verwendung von neuen Holzfässern kategorisch ab, der nächste hielt dies für unabdingbar. Und beide produzierten wundervolle Weine. So lernte ich schnell, dass man sich auf die eigenen Umstände und Möglichkeiten einlassen muss und diese zur Basis des eigenen Schaffens macht. Ich vergleiche den Prozess der Weinherstellung immer mit einem Mosaik. Nur wenn man sich jedem kleinen Einzelteil von ganzem Herzen verschreibt, kann das Gesamtergebnis wirklich überragend werden.

WL: Führen Sie Sine Qua Non biodynamisch?

MK: Nicht im klassischen Sinne. Wir bedienen uns aber vieler Komponenten, die wir für sinnvoll halten. Wir folgen auch einem biodynamischen Kalender, sind diesbezüglich aber nicht übertrieben religiös. Zudem verwenden wir natürlich keinerlei Pestizide oder Herbizide.

WL: Erzählen Sie doch bitte etwas zu ihrem recht neuen Projekt «Next of Kyn».

MK: Es gehören mittlerweile vier verschiedene Lagen zu Sine Qua Non: «Eleven Confessions» mit unseren ältesten Weinbergen, «Third Twin», eine Lage, die wir vor vier Jahren gekauft haben, und eine recht neue Lage namens «Molly Aïda», die erst in einigen Jahren verwertbare Trauben produzieren wird. Aber außerdem haben wir eine Lage, die sich direkt an unserem Weingut in Oak View befindet und «Cumulus » heißt. In Bezug auf den Boden unterscheidet sich diese sehr stark von den anderen, und zudem ist es hier etwas wärmer als in den anderen Lagen. Dadurch entstehen völlig andere Trauben, und so entschieden wir schließlich, zumindest einen Teil von «Cumulus» nicht mehr in

die Sine-Qua-Non-Weine einfließen zu lassen, sondern sie für eine separate Weinherstellung zu nutzen. Den Unterschied empfanden wir als so groß, dass wir den Wein nicht als Sine Qua Non verkaufen wollten, sondern durch eine neue Marke die vorhandenen Unterschiede unterstreichen.

WL: Was haben Sie in Zukunft mit «Next of Kyn» geplant?

MK: Wir haben noch einiges vor, denn wir stehen hier noch am Anfang. Noch enthalten diese Weine hauptsächlich Syrah und etwas Grenache, aber in der Zwischenzeit haben wir auch Rebsorten wie Mourvèdre, Petite Sirah und Touriga Nacional gepflanzt. Noch sind diese nicht zum Weinmachen geeignet, aber unser Ziel ist in Zukunft, daraus Cuvées herzustellen.

WL: Bedeutet dies auch, dass in Zukunft mehr Menschen Ihre Weine kaufen können?

MK: Ja und Nein. Die Produktionsmenge hat sich über die letzten Jahre stetig gesteigert, doch war uns immer wichtiger, dass wir keine Trauben mehr zukaufen müssen und stattdessen so viel wie möglich aus unseren eigenen Lagen gewinnen. Das heißt, es hat eine gewisse Umverteilung stattgefunden, aber nicht ein reines Aufstocken unserer Kapazitäten.

WL: Das heißt, Sie kaufen mittlerweile keine Trauben mehr zu?

MK: Doch, noch ein kleines bisschen. Ganz in der Nähe unserer Lage «Third Twin» liegt «White Hawk». Hier mieteten wir bereits direkt nach der Anpflanzung einige Parzellen an, und nun fällt es mir emotional sehr schwer, mich davon zu trennen. Ich habe es immer wieder vor, bringe es aber bis heute nicht übers Herz. Die Vorstellung, dass es einmal jemand anderem gehört, gefällt mir überhaupt nicht.(lacht)

WL: Über welche Gesamtfläche verfügt Sine Qua Non derzeit und wie viel Wein produzieren Sie daraus?

MK: Oh, das muss ich erst einmal ausrechnen. (Klackern einer Rechenmaschine im Hintergrund) Für unsere Weine nutzen wir derzeit Trauben von ca. 20 ha Rebfläche. Wir haben zwar auf zusätzlich rund 5 ha Rebstöcke stehen, aber noch ohne Ertrag. Unsere Ernte ist recht gering. Insgesamt entstehen nur 4 000 Kisten. Das entspricht ungefähr 15–20 hl/ha. In 2012 hatten wir wohl etwas mehr, da es so ein perfektes Jahr für uns war.

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Das Sine Qua Non Weingut

WL: Zu guter Letzt: Gab es einen Wein, der für Sie eine Art Schlüsselerlebnis darstellte?

MK: Einen einzigen Wein kann ich schwerlich nennen, aber eine ganze Reihe von Weinen wirkten sich unwahrscheinlich inspirierend auf mich aus. Aber um ein Weingut zu nennen: Château Rayas rund um Jacques Reynaud (Châteauneuf du Pape) faszinierte mich schon immer. Jacques machte immer, was er wollte, und so entstand ein ganz eigener Stil von Wein, den ich bis zum heutigen Tag bewundere. Es sind Weine, die durchaus kraftvoll sind, aber gleichermaßen eine gewisse Leichtigkeit haben. Diese Kombination aus fantastischen Weinen und dem besonderen Charisma des Winzers finde ich besonders spannend.

WL: Gab es auch Vorbilder aus Kalifornien?

MK: Da fällt mir spontan Marcassin ein. Helen Turley produziert hier großartige Chardonnays und Pinot Noirs. Anfangs kaufte sie, wie wir, die Trauben größtenteils zu, und ich erinnere mich an einen 1992 Chardonnay «Gauer Vineyard». Als ich diesen Wein trank, empfand ich das erste Mal, dass kalifornischer Chardonnay so gut sein kann wie ein guter Weißer aus dem Burgund. Dieses Erlebnis gab mir viel Hoffnung. Für mich erbrachte es den Beweis, dass große Weine in Kalifornien möglich sind.

WL: Beschreiben Sie bitte Ihre Ziele für die Zukunft.

MK: Der größte Wunsch ist eigentlich, dass wir so weiter machen können wie bisher. Wir haben eine gute Größe erreicht und es gelingt mir immer noch, kein «business man» sein zu müssen. Außerdem sorgt eine gewisse Unzufriedenheit stets dafür, dass ich Dinge weiter verbessere und weiterentwickle. Diese Prozesse brauchen viel Zeit, die ich mir glücklicherweise nehmen kann. Zudem engagiert sich mittlerweile mein zweitältester Sohn im Weingut, und das ist für mich eine große Freude. Ich fing aus purer Leidenschaft an, mich mit dem Thema Wein professionell zu beschäftigen, und finde es nun großartig, davon etwas weitergeben zu können.

WL: Herr Krankl, vielen Dank für das Gespräch.

Das Sine Qua Non Tasting

Wie bereits erwähnt, konnte ich über die letzten Jahre selber ein paar Flaschen Sine Qua Non erstehen. So gab es für eine mögliche Probe bereits eine gewisse Grundlage. Jetzt hieß es, weitere Kandidaten für die Verkostung zu gewinnen. Auf die direkte Frage bei Sine Qua Non nach «Verkostungsmustern » wurde auf den komplizierten und aufwändigen Prozess beim Versand von Wein aus den USA an Privatpersonen verwiesen. Also Fehlanzeige.

Nun gibt es glücklicherweise einen Händler in Deutschland (Martin Apell, Kassel), der eine Kleinstmenge der Weine zugeteilt bekommt und an sehr wenige, sehr glückliche Kunden weitergibt. Und Bingo, hier hatte ich Glück, denn er hatte sage und schreibe noch eine Flasche «Upside Down» Grenache aus 2009 «rumliegen» und spendete diese spontan für das Unterfangen. Klasse!

Die übrigen Flaschen kamen dann zum einen aus den Kellern der weiteren Probeteilnehmer, zum anderen haben wir den weißen «Albino» 2001 noch kurzerhand bei dem empfehlenswerten Wein-Auktionator Munich Wine Company aus einem Restanten-Verkauf beschafft (zu einem günstigen Preis und in bestem Zustand).

Am Ende des Tages trafen wir uns in einer Viererrunde im tollen «Dycker Weinhaus» in der Nähe von Düsseldorf, um insgesamt sieben Weine von Sine Qua Non und einen «Piraten» zu verkosten, die wir zuvor mehrere Stunden mit Sauerstoff versorgt hatten.

Flaschen1

2001 «Albino», Sine Qua Non, Central Coast/Kalifornien: Chardonnay (46 %) Roussanne (40 %) Viognier (14 %).

Tiefgoldene Farbe mit deutlicher Gelbtönung. An der Nase eine malolaktische Prägung, die stark den Chardonnay in den Vordergrund stellt. Aromatisch sehr intensiv, wenn auch dumpf. So wirken die Fruchtaromen mehr eingekocht als frisch. Allen voran Quitten und Aprikosen mit einer deutlichen Holznote sowie einem alkoholischen Anklang. Am Gaumen wirkt er wie ein Ermitage auf Steroiden. Kraftvoll und unendlich fett – mit einem etwas zu starken Alkoholeindruck. Ein Wein mit der Bratpfanne und ein wahrhafter «Anti-Riesling». Trotzdem verdammt hedonistisch und faszinierend.

18/20 trinken

2004 Pinot Noir «Covert Fingers», Sine Qua Non, Central Coast/Kalifornien:

Erster Pinot Noir von Sine Qua Non, der aus eigenen Trauben gewonnen wurde. Zuvor wurden die Trauben aus Oregon gekauft. An der Nase bietet der Wein keinerlei typische Pinot-Noten. Hier dominieren eher Kaffee und Toffeenoten und weniger erdige und rotbeerige Eindrücke. Auch leichte Gewürznoten werden mit mehr Luft präsent. Selbst Cabernet-Aromen wie Cassis machen sich hier breit. Wahrscheinlich der atypischste Pinot, den ich je im Glas hatte. Positiv fällt vor allem auf, dass trotz aller Breitschultrigkeit eine ordentliche Säurestruktur vorhanden ist, doch insgesamt hätte ich mir mehr Pinot-Noir-Typizität gewünscht. Hier gibt es deutlich schönere Beispiele aus Kalifornien, auch aus späteren Jahrgängen von Sine Qua Non.

17/20

2009 Grenache «Upside Down», Sine Qua Non, Central Coast/Kalifornien:

Wirkt an der Nase noch sehr jung. Selbst nach langer Belüftung zeigt er nur wenig Aromaspiel. Erst im Laufe des Abends kommt der Wein aus seinem Schneckenhaus und macht eindrucksvoll deutlich, dass die Grenache-Weine von Sine Qua Non gut reifen werden. Die Anlagen aller Komponenten sind in ausgewogener Weise vorhanden und im Abgang spürt man bereits eine tiefe Komplexität. Zudem leicht bittere Tannine, die aber von einer sehr guten Frische begleitet werden. Frühestens in 2–3 Jahren trinken.

17+/20

2006 Grenache «Raven», Sine Qua Non, Central Coast/Kalifornien:

Anfangs ebenfalls noch sehr verschlossen an der Nase. Mit viel Luft wird ein aromatisch authentischer Grenache-Kern erkennbar. Kirschen, rote Johannisbeeren und ein feiner Einfluss der neuen Barriques. Im Abgang genügend Frische und tolle Länge zeigend. Aromatisch zwar schon komplexer bzw. offener als der «Upside Down», aber immer noch offensichtlich zu jung. Eindeutiges Learning des Abends: Sine Qua Nons Grenache- Weine brauchen viel Zeit.

18+/20

2008 Syrah «B-20», Sine Qua Non, Central Coast/Kalifornien:

Bei aller Jugendlichkeit bereits sehr elegant am Gaumen. Aromatisch noch Stückwerk mit diffuser, wenn auch sehr komplexer Tiefe. Aber der Wein wird sich noch finden. Insgesamt bereits zugänglicher als die Grenache-Weine. Insbesondere die Vielschichtigkeit an Nase und Gaumen macht jetzt bereits richtig viel Spaß. Im sehr langen Abgang noch recht raue Tannine.

18+/20

2005 Syrah «Atlantis», Sine Qua Non, Central Coast/Kalifornien:

Das erste echte Wow-Erlebnis des Abends. Endlich ein Wein, der direkt zu 100 % greifbar wirkt und sofort begeistert. Überragende Vielschichtigkeit und Intensität an der Nase. Der deutlich offenste Wein, und genau das macht den Unterschied. Auch hier schlummert noch Potenzial, aber die Säure- und Tanninstruktur sind unglaublich gut angelegt, zudem sind die 15,3 % Alkohol super eingebunden. Im ultralangen Abgang ein feines Aromaspiel, das sich stetig verändert, und bereits ordentlich abgeschliffene Tannine. Kann in den nächsten 5 Jahren nur besser werden.

19+/20

2006 Syrah «Velvet Glove», Mollydooker, McLaren Vale, Australien:

Der «Pirat»: Im Vergleich zu den SQNs macht dieser von Parker mit 99 Punkten dekorierte Wein keine gute Figur. Er macht mal wieder deutlich, dass man Weine «among its peers» probieren sollte. Der «Glove» wirkt geradezu restsüß, auch wenn es sich wohl nur um Extraktsüße handelt. Aromatisch sehr holzdominiert, insbesondere Vanilletöne spielen sich in den Vordergrund. Am nächsten Tag solo verkostet schon besser und im Vergleich zu dem im Weinlakai-Blog besprochenen Mollydooker «Carnival of Love» auch wirklich ausgewogener, frischer und einfach eleganter. Auch der «Velvet Glove» hat 17 % Alkohol, der aber deutlich besser eingebunden ist. Zudem wirkt der Wein aromatisch sehr viel vornehmer.

18/20

1998 Semillon Vin de Paille «Mr. K», Sine Qua Non, Central Coast/Kalifornien:

Aus auf Strohmatten getrockneten Trauben gewonnen. Dunkles Bernstein. Pflaumenkompott und Malz an der Nase. Erinnert fast an den typischen Dessertwein im China-Restaurant. Unwahrscheinliche Viskosität am Gaumen und süß wie ein Honiglolli mit dominanter Malzigkeit. Leider ist hier viel zu wenig Säure vorhanden. Dadurch wirkt der Wein klebrig und viel zu wenig frisch. Man sehnt sich förmlich nach einem Sauternes oder einer Riesling Auslese. Wo bleibt der «Punch»? Im Abgang eine interessante Würzigkeit, die an frischen Tabak erinnert, aber nicht über die Schwächen hinwegtrösten kann.

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3 Kommentare

  1. Da ich seit ca. 15 Jahren großer Verehrer

    der Weine von Elaine + Manfred Krankl

    bin , hat mir vor allem das Interview

    mit Manfred sehr viel Spaß bereitet .

    Mit freundlichen Grüßen

    Robert Krupka

  2. ich habe Sine Qua Non kürzlich erstmalig i. London GESEHEN+ war begeistert v.d. Etiketten. Genauso wie von Ihrer Beschreibung. Doch verdammt, wo kann

    ich statt sehen oder hören dieses Zeug denn trinken ??

    Vielleicht noch eine Frage zu Ihren Beschreibungen :

    Es gab eine Schweizer bzw. österreichische Weinseite mit geradezu sexistisch süffisant klingenden Beshcreibungen. Die würde ich gerne wiederfinden. Haben Sie eine Idee ??

    Beste Grüße

    Juergen Lucius

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