Kann das gut gehen? Günther Jauch Weine bei ALDI!

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Weißwein und Rotwein ab sofort bei ALDI verfügbar.

Ein Wein von Günther Jauch bei ALDI? Das klingt zunächst nach einem reinen „Marketing-Stunt“. Doch dem ist nicht ganz so, denn Günther Jauch ist bereits seit acht Jahren im „Wine Business“ und bedient dabei nicht das Klischee der Promis, die mit rein kommerziellen Zielen unter die Winzer gehen. Bereits vor fünf Jahren besuchte der Weinlakai Günther Jauch auf seinem Weingut „von Othegraven“, das er 2010 quasi in den Familienbesitz zurückkaufte. Dieses Weingut hat sich seitdem – und mit der Hilfe des erfahrenen Winzers Andreas Barth – wieder zurück in den Kreis der großen Weingüter an der Saar gearbeitet. Wie mir die beiden nun auf der ProWein verrieten, sollte das Weinprojekt mit ALDI allerdings von Anfang an nichts mit dem VDP-Weingut „von Othegraven“ zu tun haben und wurde stets als separates Projekt betrachtet. Doch was für ein Projekt ist es denn genau? Und vor allem: wie schmecken die zwei angebotenen Weine? Im Folgenden die Antworten.Wein von Günther Jauch bei ALDI

Den Wunsch nach einem Gespräch mit den Herren Jauch und Barth entstand vor wenigen Tagen – am Vorabend der Weinmesse ProWein in Düsseldorf. Ausgelöst durch eine Diskussion, die ich in der hochfrequentierten Facebook Gruppe „Hauptsache Wein“ las.

Hier wurde das „Promiwein-Projekt“ eher kritisch gesehen – um es höflich auszudrücken. Teile der versammelten „Wine Nerds“ gaben sich empört und bezeichneten die Jauch-Weine als „Plörre“ – wohl gemerkt, ohne sie verkostet zu haben. Andere verteilten Vorschusslorbeeren im Sinne von „Herr Jauch hat ja einen Ruf zu verlieren, der Wein wird schon taugen“ – wiederum ohne die Weine probiert zu haben.

In diese Diskussion einmischen wollte ich mich auf keinen Fall. Stattdessen nahm ich Kontakt zu Andreas Barth auf, um ein kurzfristiges Treffen auf der ProWein zu vereinbaren und die Hintergründe zu dem Projekt kennenzulernen.

So saß ich am nächsten Tag mit Winemaker Andreas Barth und Günther Jauch am Stand des Weinguts „von Othegraven“ und ließ mir das Projekt aus erster Hand erklären. Dabei wurde schnell klar, dass sich zwar die beiden Gesprächspartner für das ALDI-Projekt verantwortlich zeichnen, doch die beiden Weine rein gar nichts mit dem VDP-Weingut „von Othegraven“ zu tun haben. Der rote und weiße ALDI Wein entstand vielmehr in Zusammenarbeit mit dem deutlich größeren Produzenten Mertes an der Saar.

Bis es zu der Zusammenarbeit mit ALDI respektive Mertes kam, verging allerdings viel Zeit. Jauch: „Als die Anfrage von ALDI kam, haben wir spontan ablehnen wollen, denn zu ‚von Othegraven‘ passt ein solches Projekt nicht“. Doch war der Gedanke sympathisch die Möglichkeit zu erhalten, Weine bei ALDI zu vertreiben, die dem „Anfänger“ die Materie Wein auf einem gutem Qualitätsniveau und einem fairen Preis näher bringen könnte.

So tüftelte man ein ganzes Jahr mit ALDI an einem Konzept, das allen Beteiligten, aber vor allem den ins Visier genommenen Kunden, gerecht werden würde. Herausgekommen sind zwei aromatische Weine, die keine grundsätzlichen Schwächen haben und sowohl als leicht zugänglich als auch als „lecker“ zu bezeichnen sind. Und das alles in völlig „sauber“ gemachter Manier, ohne Ecken und Kanten. Selbst die Auszeichnung „trocken“ ist wörtlich zu nehmen, denn ich hatte eine „massenkompatible“ leichte Restsüße erwartet. In Bezug auf die Rebsorten hält man sich bedeckt und verrät nur, dass der Weißwein auf „Riesling-Basis“ vinifiziert wird und der Rotwein auf „Spätburgunder-Basis“.

Auf eine Tatsache war Günther Jauch in unserem Gespräch besonders stolz: Die zwei Weine werden sowohl über ALDI Nord als auch über ALDI Süd vermarktet. Ein absolutes Novum bei ALDI.

Doch bevor ich meine Verkostungsnotizen vorstelle noch ein Detail, an dem ich wirklich Kritik üben möchte: Die grafische Integration des „Wer wird Millionär“ Stuhls auf dem Etikett ist aus meiner Sicht schlichtweg lächerlich. Hat es nicht gereicht, den Namen Günther Jauch und seine Unterschrift abzubilden? Musste die Verbindung zu der Fernsehshow wirklich sein? Für mich wirkt es geradezu verzweifelt, dieses „Günther Jauch Erkennungszeichen“ zusätzlich zu bemühen.


2017 Günther Jauch Cuvée weiß
Expressive Nase, die durch Pfirsich, Aprikose und etwas Mango geprägt ist. Zudem floral, an Holunder erinnernd. Ganz leichter Kohlensäure-Rückstand am Gaumen. Die Frucht setzt sich fort und wird durch einen Anklang von Mineralität ergänzt. Gute, aber nicht zu straffe Säure. Das ist alles sehr zugänglich, „easy to understand“ und auch – typisch deutsch – ohne Essensbegleitung bestens zu trinken. Man könnte jetzt den „Nerd“ raushängen lassen und darüber spekulieren, ob der Frucht durch Aromahefen etwas „auf die Sprünge“ geholfen wurde, denn der Wein wirkt mit seiner Frucht stilistisch nicht „Riesling-basiert“. Das ist aus meiner Sicht aber vollkommen egal, denn es geht bei diesem Wein nicht um die Vermittlung einer Expertise in Bezug auf die Rebsorten-Identifikation. Und auch der „Weindauernörgler“ kommt auf seine Kosten, denn der Wein hat nur 11% Alkohol.

Man hat es bei dem „weißen Jauch“ mit einem sauber gemachten Wein zu tun und die 89 Falstaff Punkte gehen einigermaßen in Ordnung, auch wenn ich den Wein eher bei 86–87 Punkten sehe. Für mehr fehlt ihm an Komplexität und „Nerv“.


2017 Günther Jauch Cuvée rot
Etwas marmeladige Erdbeeren und Acerola-Kirschen an der Nase. Durchaus attraktiv. Am Gaumen setzt sich die Aromaintensität fort. Ergänzt durch Brombeernoten und eine Art „Brause-Grundaroma“. Insgesamt etwas artifiziell wirkend, aber durch eine ausreichende Säure gut gekontert. Die „Spätburgunder Basis“ ist nur andeutungsweise erkennbar, spiegelt sich aber in der Farbe und grundsätzlichen Stilistik wider. Für mich wirkt die Frucht etwas zu übertrieben. Aber zum Beispiel als Sommerrotwein leicht gekühlt bestens geeignet. Und auch ansonsten wird er Gelegenheits-Weintrinker zu einem wichtigen Ausspruch motivieren: „lecker!“. Zudem macht ihn sein Alkoholgehalt von nur 11,5% zu einer mittlerweile raren Erscheinung im Rotwein-Segment.

Der „rote Jauch“ ist ein Rotwein, der auch „Nicht-Weintrinkern“ einen gelungenen Einstieg bietet. Die aromatische Frucht wird viele Freunde finden. Falstaff vergibt 87 Punkte, ich sehe ihn eher bei 85 Punkten.

Conclusio
Alles in allem hatte ich – zugegebenermaßen auch eine Art Wein „Nerd“ – nach der Verkostung beider Weine gar nicht das Gefühl, Wein im professionellen Sinne verkostet zu haben. Eher eine Art „Wein Aperitif“. Und das meine ich durchaus im positiven Sinne: Diese Art von Wein ist in der Lage, ein breites Publikum anzusprechen und sie mit einer soliden Qualität sowie einer „leicht verständlichen“ Charakteristik an das Thema heranzuführen. Das kann man als Weinliebhaber, auch als einer mit einem großen Erfahrungsschatz, nur begrüßenswert finden.

Der Wein ist keine Aktionsware und wird – Vorrat vorausgesetzt – dauerhaft im Sortiment von ALDI Nord und ALDI Süd vorhanden bleiben.

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3 Kommentare

  1. Mein lieber Tobias,
    mir ist es völlig unerklärlich, wie diese „Weine“ doch ganz gut durch den Test kommen. Der rote „Jauch“ ist doch wirklich eine Katastrophe! Der sieht dünn aus und schmeckt auch dünn. Da ist nichts, was Freude macht. Dem Südfrankreich-Urlauber wird sofort auffallen, dass man dortsehr gute in jedem Weingut bessere Qualität aus dem Fass zum Literpreis von 2 € abgezapft bekommt!
    Der weiße, nun gut, man bekommt ihn durch den Hals. Aber für satte 6 € ist der übertrieben teuer. Da lege ich 2 € drauf und bekomme echte Qualität in Form von der Herkunft nachvollziehbaren Weinen aus dem Bereich Model Riesling oder Rhein-Hessen Grauburgunder.
    Der Herr Jauch sollte sich schämen, seinen Namen und Qualitätsanspruch für diese Plörre herzugeben. Niemals trinkt der sowas selbst, niemals. Ich lach mich schlapp.

  2. Oh weh – eine Geschmackskatastrophe, dieser rote Wein! Dünn, flach und ohne jeden Tiefgang. Der Versuch, ihn zum Anmachen von Salat zu nutzen, scheiterte am Suizid desselben durch freiwillige Schnellverwelkung. Als Geschmacksgeber für Bratensosse taugt er ebenfalls nicht, da das Fleisch es vorzog, sich in Moleküle aufzuteilen – so muss sich ein rostiger Nagel in einem Colabad fühlen. Fazit: verschenken an Leute, bei denen man nie wieder eingeladen werden will; Gästen anbieten, die man nie mehr sehen will, oder noch besser: einfach im Regal stehen lassen.

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