Alentejo und Douro: Castor und Pollux in Portugal

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Eine Dienstreise zu zwei Sternen am Weinhimmel

Wir sind wieder unterwegs, auf Dienstreise. Auf unsere vorfreudigen Gaumen warten der sonnengetränkte, weite Alentejo und das stets glitzernde, im Norden des Landes gelegene Douro-Tal. Eine doppelte Dienstreise folglich, obgleich wir sie vereinfachend „Portugal“ getauft haben. Ohne andere portugiesische Anbaugebiete wie Dão, Vinho Verde oder auch die Azoren vergessen zu wollen, erzählen die ungleichen Brüder Alentejo und Douro doch eine ganz eigene lusitanische Geschichte. Ein wenig wie die von Castor und Pollux. 

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Aus der griechischen Mythologie kennen wir ihre Geschichte, die allerdings in zwei Versionen überliefert ist. Einmal zählt ein Bruder, nämlich Castor, zu den Sterblichen und Pollux zu den Halbgöttern. Ein anderes mal sind beide der Götterwelt zugehörig, doch letztlich finden sie in beiden Geschichten zusammen und den Weg zu den Sternen – wenn auch nicht auf den Olymp. Im Sternbild der Zwillinge funkeln sie einträchtig nebeneinander. Ein leuchtendes Beispiel für die ungleichen Brüder Alentejo und Douro?

Annäherung aus der Ferne
Betrachtet man die Anbaufläche liegen sie mit rund 20.000 Hektar im Alentejo und 26.000 Hektar am Douro etwas auseinander, zählen aber beide im internationalen Maßstab zu den kleinen Appellationen. Zudem beanspruchen die Weine vom Douro das größere internationale Renommee und wissen ihre Weinbau- und -handelstradition fabelhafter zu nutzen als die, trotz der vielen Sonne in ihrem Schatten stehenden Weine aus dem Alentejo. Dem gilt es nachzuschmecken, weniger um die bessere Region zu küren, sondern um die Besonderheiten von beiden ins Glas zu bekommen.

Neue Tourenplanung und andere Berichte
Über Madrid geht es zunächst nach Lissabon und von dort aus weiter nach Évora, unserem Quartier für die Besuche der Weingüter im Alentejo. Später machen wir uns über Porto auf den Weg an den Douro. Etliche hundert Kilometer sind damit verbunden und die Termine vor Ort leider weit gestreut, weshalb die Dienstreise dieses Mal ohne Tagesberichte auskommt. Auch die Waldbrände und die Ferienzeit verlangen ein anderes Vorgehen als bei den Reisen an die Côtes-du-Rhône, nach Nordspanien und in die Toskana.

Wir verzichten auf die strenge Chronologie der Tage, um das Gehörte, Gesehene und Verkostete besser sortieren und verdichten zu können. Nichtsdestotrotz bleiben der Weinlakai und sein Adlatus dem Dienst(reise)auftrag verpflichtet, stecken sie ihre Nasen interessiert und energisch in viele Gläser, um am Ende jene Weine auf der Shortlist zu versammeln, die zeigen, weshalb die beide Brüder ihren Stern am Weinhimmel verdient haben. Alles andere wird – wie immer – die Blindverkostung zurück in heimatlichen Landen entscheiden.

Antrittsbesuch bei Bruder Alentejo
Wein baute man im Alentejo bereits in der Zeit vor den Phöniziern an. Die Griechen hatten ihren Einfluss, von den Römern übernahm man die talhos de barro, große Tongefäße, für die Weinherstellung. Eine tatsächlich historische Reminiszenz also, wenn man dort heute wieder Amphoren in den Herdades, Adegas und Quintas findet. Die Weinhistorie des Alentejo ist wechselhaft, voller Höhe- und Tiefpunkte. Eine dieser Katastrophen verdankt man dem Bruder aus dem Norden. Denn die 1756 gegründete Real Companhia Geral de Agricultura do setzte durch, dass Weinberge im Alentejo gerodet wurden, um den Konkurrenten zu schwächen. Lange her ist das schon, vergessen aber noch nicht.

Mit unserem ersten Beitrag am kommenden Montag, den 29. August machen wir den Antrittsbesuch bei den portugiesischen Weinzwillingen und treffen einige große Weinmacher aus dem Alentejo.

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Wer Live-Impressionen und Notizen der Dienstreise verfolgen will, kann dies auf der Facebook-Seite des Weinlakai tun.

INFO

Alentejo: Die Weinregion liegt östlich von Lissabon und sowohl nördlich als auch südlich der Römer-Stadt Évora.

Der DOC-Bereich Alentejo umfasst ca. 20.000 Hektar Rebfläche und verteilt sich auf acht Sub-Bereiche, die auf den Etiketten namentlich ausgewiesen werden. Der Name „Alentajano“ kennzeichnet hingegen Weine, die als IGP klassifiziert wurden („Landweine“).

Bis Ende der 70er Jahre war das Alentejo hauptsächlich für den Anbau von Weizen bekannt und handelte sich dadurch den Spitznamen „Brotkorb Portugals“ ein.

Zudem stammt mehr als die Hälfte der weltweiten Korkproduktion aus Portugal – hierbei liefert das Alentejo den größten Teil der Gesamtproduktion.

Erst seit den 80er-Jahren wird in qualitativ hochwertigen Weinbau investiert. Das Gebiet ist durch das heiße und trockene Klima mit Temperaturen bis 40 °Celsius geprägt. Dadurch ist der Weinbau größtenteils nur mit Hilfe künstlicher Bewässerung möglich. Ausnahmen sind insbesondere im Norden der Gegend zu finden.

Weit verbreitete, rote Rebsorten sind: Aragonez (Tempranillo), Alicante Bouschet, Arinto, Cabernet Sauvignon, Mazuelo (Carignan) und Trincadeira.

Die Weißweine bestehen meist aus Antão Vaz, Chardonnay, Diagalves, Roupeiro und Perrum (Pedro Ximénez).

Douro: Die Weinbauregion ist nach dem gleichnamigen Fluss benannt, der in Spanien „Duero“ heißt. Das zum UNESCO-Weltkulturerbe ernannte Douro-Tal liegt im Norden Portugals, östlich von Porto und erstreckt sich von West nach Ost bis an die spanische Grenze.

Die meisten Weinberge liegen auf steilen Terrassenlagen direkt am Fluß und profitieren dadurch von einem ganz speziellen Mikroklima.

Douro ist insbesondere durch seine Portweine weltbekannt. Und da bereits 1756 die Grenzen der Port-Region definiert wurden, ist es eines der ältesten herkunftsgeschützten Weingebiete der Welt

Erst Anfang der 80er-Jahre wurde auch die Herstellung von normalen Tafelweinen populär. Derzeitig umfasst die für Normalweine eingesetzte Rebfläche ca. 7.000 Hektar der Gesamtfläche von 40.000 Hektar.

Die meisten Weingüter stellen sowohl Port- als auch Tafelweine her.

Bei den verwendeten Rebsorten gibt es selten Unterschiede zwischen den beiden Weintypen: Touriga Nacional ist die wichtigste Rotweinsorte. Es folgen ihr Tinta Amarela (Trincadeira), Tinta Barroca, Tinta Roriz (Tempranillo) und Touriga Franca.

Weißweine bestehen häufig aus Rabigato, Dodega, Viosinho und Gouveio (Verdello).

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