Papper La Clape: Weininsel der Glückseligen

Durch ein Meer von Reben wieder an die Küste

Es geht zurück aus dem Hinterland an die Küste, oder um es weingeographisch ausdrücken: Heute besuchen wir die AOC La Clape. In der Ferne sehen wir bereits das trügerisch friedliche Glitzern des Mittelmeers, das mit leichtem Kräuseln die Sonnenstrahlen reflektiert. Doch ganz ans Wasser geht es noch nicht, zunächst steuern wir auf Salles d’Aude zu. Vor dessen Toren liegt Château Pech-Céleyran, das in Deutschland bereits einem größeren Weinpublikum bekannt ist. Nicht zuletzt mag das an dem zweiten Namen liegen, den das Château in seinem Logo führt: Sant-Exupéry.

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Château Pech-Céleyran: große Fässer und noch größere Namen

Tatsächlich ist damit der Pilot und Autor Antoine Saint-Exupéry (1900 – 1944) gemeint, der Verfasser des „Kleinen Prinzen“ und weiterer vom Fliegen inspirierter Erzählungen. Einem Zweig der Familie Saint Exupéry gehört das Weingut bereits in fünfter Generation. Drei Generationen lebten, zwei Generationen arbeiteten hier im Weingut, berichtet uns Maria-Bénédicte de Chantal, die selbst zur Familie zählt. Maria-Bénédicte, die so selbstverständlich von allen Maribé gerufen wird, dass sie den Namen mittlerweile auf der Visitenkarte führt, dreht sich noch einmal herum, und weist auf das Gebäude auf der anderen Seite der Landstraße. Das ist Château Céleyran – ohne „Pech“ also – in dem der Maler und Grafiker Henri Toulouse-Lautrec (1864 – 1901) einen Teil seiner Kindheit verbrachte: Seine Mutter war eine geborene Tapié de Céleyran.

Maribé ist unsere charmante Gastgeberin an diesem Vormittag

Gut 96 Hektar Rebflächen bewirtschaftet das Château und produziert damit 400.000 Flaschen pro Jahr. Neben den typischen Rebsorten der Appellation treffen wir bei Pech-Céleyran auch noch einmal auf den Marselan, jener Kreuzung aus Grenache und Cabernet Sauvignon, die 1961 gezüchtet wurde, um über eine robuste und dennoch aromatische Traube zu verfügen, die weniger hitzeempfindlich ist. Nachdem der Marselan lange in Vergessenheit geraten war, rückt er in Zeiten des Klimawandels wieder stärker in den Blickwinkel der Winzer – und im Languedoc erst recht.

Beim Rundgang durch die Kellerei fallen die großen Holzfässer auf, die über 10.000 Liter fassen und mitunter mehr als 200 Jahre alt sind. Inzwischen sind sie nicht mehr in Gebrauch, nicht weil sie dem Wein nicht gut getan hätten, sondern einfach weil der letzte Fassmacher verstarb, der noch das Handwerk beherrschte, sie zu reparieren und auszubessern. Zur Verkostung stellen wir uns an einen großen runden Tisch, der aus solch einem Fass gefertigt ist – quasi die letzte Belegung.

Zwei Weißweine und vier Rotweine bekommen wir in die Gläser. Besonders gefallen uns der weiße und der rote Champ des Pierres, wobei der Rotwein mit seinen intensiven Garrigue-Aromen und den floralen Noten sehr gut die Stilistik des Château einfängt. Erwähnenswert auch der Les Muriers, dessen Cuvée aus 70 Prozent Marsalan und 30 Prozent Merlot besteht.

Château Pech-Céleyran – die Weine

Hier treffen wir wieder auf eine illustre Mischung von Weinen. Die klassischen La Clape Weine werden durch einen Rosé aus Pinot Noir, einem Rotwein aus Merlot, Malbec und Cabernet Sauvignon sowie einer Merlot-Marselan-Cuvée ergänzt. Ein wirklich interessantes Wein-Portfolio!

Der „Les Mûriers“ ist besagter Wein mit Marselan-Anteil (siehe Infokasten). Es ist zwar kein mit dichter Struktur, sondern eher ein Leisetreter, doch gefällt die eigene, sehr eingängige Fruchtstilistik. So ist es der eine von zwei Weinen, die wir mitnehmen.

Die zweite Wahl ist dann schon fast eine Überraschung: Der La Clape „Champs des Pierres“ gefällt mir besonders als Weißwein ausgesprochen gut. Seine floralen Noten und die gelbfruchtige Eleganz holen mich sofort ab. Endlich wieder ein Weißer!

Weinwissen
Kreuzung aus Cabernet Sauvignon und Grenache Noir: Marselan

Am Anfang steht der Wunsch nach einer robusteren Rebsorte, die mit Hitze besser zurechtkommt und gute aromatische Eigenschaften mitbringt. Aus den Neuzüchtungen, die Paul Truel von der Universität Montpellier betreibt, geht 1961 der Marselan hervor. Die Kreuzung aus Cabernet Sauvignon und Grenache Noir erhält ihren Namen in Anlehnung an das Städtchen Marseillan, in dessen Nähe die ersten Anbauflächen der neuen Rebsorte lagen. Der Marselan ist also ein Kind des Languedoc

Zwar besitzt der Marselan kleinere Trauben und steht damit für geringeren Ertrag. Jedoch zeichnet ihn neben einer größeren Hitzetoleranz auch eine geringe Anfälligkeit für Botrytis und Mehltau aus. Mit nur 2.600 Hektar Anbaufläche im französischen Weinsüden spielt die Rebsorte nur eine Nebenrolle. So erklärt sich, dass einige Winzer den Marselan neu für sich entdecken und als Reaktion auf höhere Temperaturen und weniger Niederschläge begreifen. Andere Châteaus wie Pech-Céleyran bringen bereits seit vielen Jahren den Marselan in ihre Cuvées ein. Erst jüngst war der Marselan in der Fachpresse zu finden, als der Rebsorte eine goldene Zukunft im chinesischen Weinbau prognostiziert wurde.

Château Camplazens: Englische Weinmacher im Römerlager

Von hier oben hat man einen fantastischen Ausblick und überblickt große Teile des La Clape. Im Osten glitzert das Meer, nur fünf Kilometer entfernt. Jedoch war dieses Gebiet zu Zeiten der römischen Herrschaft im Languedoc eine Insel. Für die Legionäre und Siedler aus Rom ein Platz, der ihnen gefiel, ein Ort, an dem sich gut und sicher leben ließ. Dieses historische Wohlgefühl findet sich wortwörtlich im Namen des Château Camplazens wieder.

Beste Aussichten: Camplazens thront über der AOP La Clape

Wir stehen auf der großen Freifläche zwischen Kellerei und Wohnhaus und lassen uns vom Panorama beeindrucken. Mit einem Lächeln im jungen Gesicht kommt uns Léandre Vandenbouhede entgegen. Er kennt bereits das Staunen der Besucher angesichts dieses schönen Fleckchens Erde. Der 26jährige Niederländer ist seit drei Jahren der Manager des Weinguts und führt uns durch den Keller und die Weingärten. Das Weingut gehört den Engländern Susan und Peter Close, die vor über 15 Jahren Château Camplanzens mit dem bescheidenen Wunsch erwarben, Spitzenweine zu produzieren, die auf das beste das besondere Terroir von La Clape einfangen.

Jungwinzer: Léandre Vandenbouhede ist für die Weine verantwortlich

Rund 48 Hektar Rebfläche zählt das Weingut, das auf Syrah, Grenache, Carignan aber auch Marselan setzt und an weißen Rebsorten nur Viognier anbaut. Das Sortiment ist einfach erklärt. Die rebsortenreinen Weine sind als IGP d’Oc deklariert, die Cuvées sind klassische AOC La Clape Weine. Entsprechend punkten sie mit Garrigue-Aromen, guter Struktur und Komplexität. Die Weine werden in Betontanks vinifiziert und reifen in Fässern aus französischer und amerikanischer Eiche. Das Holz soll aber nur Struktur geben und die Weine nicht aromatisch überlagern. Deshalb kommen von einer Cuvée rund 50 Prozent in neue Fässer und jeweils 25 Prozent in Fässer als Zweit- und Drittbelegung. Das sei der beste Weg, zeigt sich Leandre überzeugt, die Aromatik der Rebsorten und des Terroirs herauszuarbeiten.

Auf unserem Weg durch die Räume des Weinguts fallen uns die vielen Bilder auf, die Susan und Peter Close in landsmännischer Solidarität von einem englischen Künstler erstanden haben, der im La Clape lebt und arbeitet. Nicht ganz unser Geschmack – aber der anregende Effekt ist unbestreitbar. Derart künstlerisch umfangen gehen wir an die Weinverkostung.

Über Geschmack lässt sich nicht streiten: Kunst im Fasskeller bei Camplazens

Château Camplazens – die Weine

Auch hier begegnet uns wieder die „Trend-Rebsorte“ Marselan, doch sind es die roten La Clape Weine, die hier den Ton angeben. Sie gibt es bei Camplazens in ganz unterschiedlichen Qualitätsstufen. Die hochpreisigen Weine mit langem Holzausbau überzeugen mich zum jetzigen Zeitpunkt nicht nachhaltig. Der „Reserve“ wirkt mir etwas zu (extrakt-)süßlich und der „Premium“ ist schlichtweg zu jung und kommt daher mit jeder Menge vanillegeprägtem Neuholz daher. Der Einstiegswein „Garrigue“ ist da schon eher nach meinem Geschmack. Hier ist das Verhältnis zwischen Grenache (80%) und Syrah (20%) zwar quasi seitenverkehrt, doch vielleicht ist es gerade die Aromatik des Grenache, die mich überzeugt. Für um die 10 Euro bringt er zudem eine gute Portion Struktur mit. Ein klasse Gesamtpaket, das ich gerne in Deutschland nochmals nachverkosten werde.

Reise-Tipp

Schlaraffenland der französischen Küche

Ohne Übertreibung ist das „les Grands Buffets“ in Narbonne ein gastronomisches Unikum. Das allein macht den Besuch des im irgendwann einmal modernen Sportkomplex der Stadt gelegenen Restaurants zum Tipp. Denn zwischen Hallenschwimmbad und Bowling-Bahn tut sich eine andere Welt auf. Das wird erst dann klar, wenn man an die hölzerne, schwere Eingangstür gelangt. Inmitten dieses 80er-Jahre Zweckbaus mutet sie an wie das Portal in ein anderes Kontinuum (siehe unten stehende Fotogalerie).

Mit über 300 Gerichten der traditionellen französischen Küche sowie 50 Käsesorten wartet das „les Grands Buffets“ auf. Der Name ist Programm. Fleisch, Fisch und Meeresfrüchte, geschmort, gebraten und gekocht; und noch viel mehr stehen zur Auswahl – sowohl in Buffet-Form als auch frisch zubereitet. Das Angebot kann einen jedoch erschlagen, wenn man nicht Hunger für eine Woche mitgebracht hat. Der seit Jahren anhaltende Ansturm auf das „les Grands Buffets“ gibt dem Konzept recht, was jedoch die recht betriebsame Atmosphäre nicht angenehmer macht.

Noch etwas macht das „les Grands Buffets“ so besonders: Das Restaurant versteht sich nämlich auch als Weinmissionar für die Region. Das meint zum einen die Auswahl an 80 offenen Weinen, zum anderen drückt sich das im günstigen Flaschenpreis der Weine aus. Alle Weine werden zu Château-Preisen angeboten, ohne den ansonsten recht hohen Aufschlag in der Gastronomie. Und wer vorab einen 6er-Karton eines Weines ersteht, bekommt zum Essen eine zusätzliche Flasche des Weines gratis auf den Tisch gestellt.

Wie sagt man so schön? Ein „Must see“!

Restaurant „Les grands Buffets“
Espace de Liberté
Rond point de la Liberté
11100 Narbonne

Öffnungszeiten
365 Tage im Jahr geöffnet!

Montags bis Freitags:
12:00 – 14:00 und 19:00 bis 22:00 Uhr

Samstags und Sonntags:
11:30 – 14:30 und 19:00 – 22:00 Uhr

Preise
„All you can eat“
Erwachsene: EUR 32,90
Kinder (6–10 Jahre): EUR 16,50
Kinder bis 5 Jahre sind kostenfrei

Auch außerhalb der Hauptsaison unbedingt vorab reservieren!

Website
Telefonnummer + 34 (0)468 42 20 01

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