Wie lernt man Rebsorten? Mit System verkosten

0

Rebsorten lernt man am zuverlässigsten mit kleinen, wiederholbaren Vergleichsproben. Zwei Weine, eine klare Frage, gleiche Bedingungen und kurze Notizen reichen für den Anfang. Entscheidend ist, zuerst zu beschreiben, was im Glas auffällt, und erst danach auf Rebsorte oder Herkunft zu schauen.

Eine einzelne große Probe mit vielen Flaschen liefert zwar viele Eindrücke, aber selten ein klares Lernbild. Wer dagegen denselben Vergleich später wiederholt, erkennt eher, welche Merkmale im Gedächtnis geblieben sind und wo die eigene Wahrnehmung noch unsicher ist.

1. Pro Verkostung nur eine Lernfrage wählen

Bevor die Flaschen geöffnet werden, sollte feststehen, was der Vergleich zeigen soll. Eine gute Lernfrage lässt sich nach der Probe in wenigen Sätzen beantworten. Zum Beispiel:

  • Wie unterscheiden sich Riesling und Sauvignon Blanc in Aromatik, Säure und Körper?
  • Welche Gemeinsamkeiten bleiben bei zwei Weinen derselben Rebsorte erkennbar?
  • Wie wirkt sich ein klar dokumentierter Ausbau im Holz gegenüber einem Ausbau ohne erkennbaren Holzeinfluss aus?

Diese drei Fragen gehören in getrennte Proben. Werden Rebsorte, Herkunft, Süße und Ausbau gleichzeitig verändert, lässt sich am Ende kaum sagen, welcher Unterschied tatsächlich beobachtet wurde.

2. Zwei passende Weine auswählen

Für eine konzentrierte Übung genügen zwei Weine. Drei sind möglich, wenn die Vergleichsfrage überschaubar bleibt. Die Weine sollten in einer ähnlichen Qualitäts- und Preisklasse liegen. Sonst wird möglicherweise vor allem der Aufwand der Erzeugung verglichen und weniger das Merkmal, um das es eigentlich geht.

Für den Einstieg eignen sich zwei Arten von Vergleichen:

  • Zwei unterschiedliche Rebsorten: Ein deutliches Kontrastpaar hilft, Unterschiede in Säure, Aromatik, Körper oder Tannin zu erkennen.
  • Dieselbe Rebsorte in zwei Ausprägungen: Dieser Vergleich zeigt, welche Merkmale ähnlich bleiben und an welchen Stellen die Weine auseinandergehen.

Wer zunächst einen Überblick sucht, findet im Beitrag wichtige weiße Rebsorten und ihre Herkunftsbezüge. Für die eigene Probe ist jedoch eine kleine Auswahl lehrreicher als eine möglichst lange Sortenliste.

3. Vergleichbare Bedingungen schaffen

Beide Weine gehören in gleichartige, saubere Gläser und sollten unter denselben Bedingungen probiert werden. Ähnliche Einschenkmengen, ein neutraler Raum ohne starke Gerüche und eine feste Reihenfolge erleichtern den Vergleich. Werden die Gläser nach dem ersten Durchgang getauscht, fällt außerdem auf, ob die Reihenfolge das Urteil beeinflusst hat.

Die Etiketten dürfen zunächst sichtbar bleiben. Eine offene Probe ist sinnvoll, wenn eine Rebsorte bewusst kennengelernt werden soll. Später kann eine verdeckte Wiederholung zeigen, ob die beobachteten Merkmale auch ohne den Hinweis auf dem Etikett wiedererkannt werden. Blindverkostung ist dabei eine Übung, kein Selbstzweck.

4. Erst beschreiben, dann zuordnen

Beginnen Sie nicht mit der Frage „Welche Rebsorte ist das?“. Halten Sie zunächst fest, was sich tatsächlich vergleichen lässt:

  • Wie intensiv wirkt der Duft, und welche groben Aromengruppen sind erkennbar?
  • Wie wirken Süße, Säure, Körper und Alkohol?
  • Wie unterscheiden sich bei Rotwein die Tannine?
  • Welcher Eindruck bleibt nach dem Schlucken länger bestehen?

Eine einfache Verkostungsreihenfolge erklärt der Ratgeber Wie verkostet man Wein richtig?. Für das Rebsortentraining kommt danach ein zweiter Schritt hinzu: Die Beobachtungen werden auf die vorher festgelegte Lernfrage bezogen.

Auch WSET nutzt mit dem Systematic Approach to Tasting, kurz SAT, eine feste Methode, um Weine strukturiert zu beschreiben. Das bedeutet für die private Übung nicht, dass jede Notiz möglichst fachsprachlich klingen muss. Sie sollte vor allem bei beiden Weinen nach demselben Muster entstehen.

5. Notizen schreiben, die sich vergleichen lassen

Eine brauchbare Notiz kann kurz sein. Schreiben Sie für jeden Wein dieselben Merkmale auf und ergänzen Sie anschließend drei Antworten:

  1. Was war der deutlichste Unterschied zwischen den Weinen?
  2. Welches Merkmal war bei einem Wein stärker oder schwächer ausgeprägt?
  3. Woran möchte ich diese Rebsorte beim nächsten Mal wiedererkennen?

Persönliche Vorlieben dürfen am Ende dazukommen. „Der erste Wein gefällt mir besser“ ist als Geschmacksaussage völlig in Ordnung. Für den Lernfortschritt ist zusätzlich wichtig, warum: etwa wegen der Säure, des Körpers, der Fruchtwirkung oder des Tannins. So wird aus einem spontanen Urteil eine Beobachtung, die bei der nächsten Probe überprüft werden kann.

6. Den Vergleich gezielt wiederholen

Rebsortenkenntnis entsteht nicht nach einer einzigen Probe. Wiederholen Sie einen Vergleich nach einigen Wochen mit denselben Weintypen oder mit ähnlich ausgewählten Beispielen. Legen Sie die alten Notizen zunächst beiseite und vergleichen Sie sie erst anschließend mit den neuen.

Ein einfacher Trainingszyklus besteht aus drei Terminen:

  1. Zwei Rebsorten mit einer klaren Kontrastfrage offen probieren.
  2. Eine der beiden Rebsorten in zwei Ausprägungen vergleichen.
  3. Den ersten Vergleich wiederholen und prüfen, welche Merkmale erneut auffallen.

Der Abstand zwischen den Proben ist weniger wichtig als die konsequente Wiederholung derselben Beobachtungsschritte. Zwei konzentrierte Gläser alle paar Wochen bringen meist mehr als eine einmalige Runde, bei der nach dem sechsten Wein die Unterschiede verschwimmen.

Typische Fehler beim Rebsortenlernen

Zu viele Weine, wechselnde Bedingungen und eine voreilige Suche nach einzelnen Duftwörtern machen das Lernen unnötig schwer. Ebenso wenig hilft es, nach einer Flasche eine feste Regel für eine ganze Rebsorte aufzustellen. Eine Notiz beschreibt zunächst diesen Wein in dieser Probe. Erst wiederholte Vergleiche zeigen, welche Beobachtungen verlässlich wiederkehren.

Auch das Etikett sollte nicht zum Spickzettel für erwartete Aromen werden. Wer vor dem Riechen bereits nach einer bestimmten Frucht sucht, findet sie oft schneller als die Merkmale, die tatsächlich stärker ausgeprägt sind. Deshalb gilt bei jeder Runde dieselbe Reihenfolge: beobachten, notieren, vergleichen und erst dann einordnen.

Wann ein Kurs den Lernprozess ergänzt

Das Training zu Hause eignet sich gut, um Vergleichsroutinen aufzubauen. Wer Rebsorten, Weinbereitung, Herkunft und Verkostung in einem festgelegten Lehrplan lernen und auf eine WSET-Qualifikation hinarbeiten möchte, findet auf der Seite zur WSET-Ausbildung der Weinlakai Akademie die angebotenen Levels und den Weg zur Kurswahl.

Für den nächsten eigenen Weinabend reicht zunächst eine kleine Aufgabe: zwei passende Flaschen wählen, eine Frage aufschreiben und beide Weine nach demselben Schema beschreiben. Beim zweiten Durchgang beginnt aus einzelnen Eindrücken ein belastbares Vergleichswissen zu werden.

KEINE KOMMENTARE

Kommentar hinterlassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

ÄHNLICHE ARTIKEL

WSET Kurs Köln und Münsterland – Weinlakai Akademie

0