Ganz ohne Telefonjoker: Zu Besuch bei Günther Jauch

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(Bericht aus 2013)
Wenn ein Prominenter ein Weingut kauft, hat dies immer einen gewissen Reiz 
für die Boulevard-Presse. Im Falle von Günther Jauch und dem Riesling-Weingut von Othegraven in Kanzem an der Saar etwa im Sinne von «Gelangweilter Kult-Moderator kauft sich ein Männerspielzeug …» oder so ähnlich. Der Weinlakai konnte nun vor Ort ein ganz anderes Bild von dem Inhaber gewinnen.

Zum einen war das Weingut schon früher im Besitz der Familie, zum anderen ist Günther Jauch in die Belange des Betriebs erstaunlich tiefgehend involviert. Von einem lässigen Hobby so nebenbei kann nicht die Rede sein. Es geht ihm vielmehr um die Wahrung einer Familientradition und den Aufbau einer profitablen Unternehmung. Unterstützt wird er dabei vor allem durch seine Frau Thea Sihler sowie dem erfahrenen Weinmacher Andreas Barth, der für alle Belange im Weinberg und -keller als Geschäftsführer verantwortlich zeichnet.

Der Weinlakai traf alle drei zum Interview.

Der Weinlakai (WL): Herr Jauch, Ihre Popularität hat nicht nur Vorteile: Vor einiger Zeit wurde Ihnen unterstellt, Sie hätten Ihren eigenen Wein als «Fusel» bezeichnet. Wie war das für Sie?

Günther Jauch (GJ): Auslöser war ein Gastauftritt von mir bei einem «Uni-Talk» des SWR. Im Netz kann man sich das Video dazu anschauen (Hier klicken). Als ich sagte, der Wein sei «kein Großes Gewächs», interpretierten Journalisten diese Aussage als etwas Negatives, im Sinne von: «Dann ist es wohl nur etwas Kleines, etwas Schlechtes». Ich war mir recht sicher, dass es ein Kabinett oder eine Spätlese ist und natürlich war auch klar, dass es ein Wein von uns ist. Aber als ich den Moderator fragte: «Was ist es denn nun für ein Wein?», antwortete er nur «Weiß ich selber nicht». Darauf hin antwortete ich: «Na toll, Sie kredenzen hier einen Wein und wissen noch nicht einmal, welchen Fusel Sie anbieten?». Und daraus ist dann diese Verkürzung entstanden: «Jauch bezeichnet eigenen Wein als Fusel». Mittlerweile gibt es bei dieser Art von Auftritten meist nur noch zwei Möglichkeiten: Ich bekomme entweder ein Glas Weißwein von unserem Gut hingestellt oder den 1,59-Wein von der Tankstelle. Es ist genauso, wie wenn ich morgens zum Bäcker gehe und der Verkäufer fragt: «Möchten Sie a) ein Sesambrötchen, b) ein normales Brötchen oder lieber jemanden anrufen? Ha, ha, ha!» Das ist aber ein kleines Schicksal, das ist völlig in Ordnung.

Andreas Barth (AB): Ich fand es aber bemerkenswert, wie der dynamische Verlauf dieser Aussage war. Bereits am nächsten Morgen nach dieser Abendveranstaltung gab es Schlagzeilen dazu. Obwohl es bei dem Talk eigentlich um das Thema «Macht, Medien und Verantwortung» ging.

WL: Ihre Beziehung zu von Othegraven ist keineswegs die eines Promis, der sich aus Prestigezwecken ein Weingut kauft. Im Gegenteil: Das Weingut befindet sich schon lange im Familienbesitz. Bitte erzählen Sie ein wenig dazu.

GJ: Ich war schon als Kind mit meinem Vater hier auf dem Weingut zu Besuch, denn es gehörte ab 1925 dem Bruder meiner Großmutter, Maximilian von Othegraven. Als er 1968 starb, wurde der Kontakt etwas lockerer, denn seine Frau Maria war dafür bekannt, dass sie jedem unter 18 Jahren erst mal einen Besen in die Hand drückte.

Thea Sihler (TS): Was ich mittlerweile sehr gut verstehen kann … (Gelächter)

GJ: Und da die beiden kinderlos waren, adoptierte Tante Maria eine Nichte aus ihrer Familie, Dr. Heidi Kegel. Sie übernahm schließlich das Weingut. Durch unsere Übernahme in 2010 ist es nun wieder zurück in der direkten Familienlinie.

WL: Wie war der konkrete Prozess der Übernahme?

TS: Ein recht langer auf jeden Fall. Es hat insgesamt drei Jahre gedauert, bis wir das Weingut schließlich offiziell übernommen hatten.

GJ: Wir hatten über mehrere Ecken von dem Gerücht gehört, dass das Weingut zum Verkauf stehe. Ich schrieb daraufhin sofort Frau Dr. Kegel an, um zu erfahren, ob dies richtig sei. Es fühlte sich für mich seltsam an, dass das Weingut unter Umständen komplett aus der Familie heraus verkauft werden könnte. Nachdem sich der Verkaufswunsch bestätigte, kamen wir mit Frau Dr. Kegel und ihrem Mann immer mehr ins Gespräch und bekundeten schließlich unser Kaufinteresse. Aus privaten Gründen konnten wir aber dann die Sache etwas über ein Jahr nicht weiterverfolgen. Eine Tatsache, die Frau Dr. Kegel wohl gar nicht so unrecht kam, denn sie konnte sich doch nur schwer von dem Gut trennen. So haben wir uns nach wechselseitig langer Bedenkzeit geeinigt und beide Seiten waren glücklich, dass von Othegraven nach mehr als 200 Jahren weiter in Familienbesitz bleibt.

TS: Wirklich übernommen haben wir das Weingut dann 2010. Wir wussten, dass an der Substanz in den vergangenen Jahrzehnten nicht sehr viel getan wurde, so dass wir ein sehr umfängliches Instandsetzungs- und Renovierungsprogramm entwickeln und umsetzen mussten.

WL: Das heißt, die eigentliche Triebfeder für den Erwerb war nicht nur, dass es sich um ein Weingut handelt?

GJ: Es geht um zweierlei. Das Wichtigste ist ein funktionierender Betrieb. Da stellt ein Spitzenweingut vor allem qualitativ hohe Ansprüche. Aber von Othegraven ist darüber hinaus auch so etwas wie ein Kulturgut. Zum denkmalgeschützten Gutshaus gehört auch ein Park, den mein Großonkel vor knapp hundert Jahren mit exotischen Bäumen bepflanzt hat – mit 23 000 m² als Gartendenkmal auch unter Schutz –, und natürlich die Weinberge, die wiederum zum Naturpark Saar-Hunsrück gehören. Es ist also ein Ensemble aus drei Teilen und es bestand zwischenzeitlich die Gefahr, dass diese drei Komponenten getrennt veräussert würden. Diese Einheit wollten wir unbedingt erhalten.

WL: Und das um jeden Preis?

GJ: Im Gegenteil: Mir war von Anfang an wichtig, dass wir bei Übernahme des Betriebes genau auf die Zahlen schauen und ermöglichen, dass sich das Weingut nicht nur selbst finanziert, sondern auch profitabel wird. Wenn wir hier nur rote Zahlen schreiben würden, wäre das gesamte Team auf Dauer unglücklich. Aber in der Landwirtschaft müssen Sie auch mal einen etwas längeren Atem haben.

WL: Sie und ihre Frau sind sehr stark in die Belange des Weinguts involviert. Sie hätten das «daily business» ja auch komplett in fremde Hand legen können. War diese Intensität so geplant?

TS: Ja, das war so geplant, nur so macht es uns Freude. Es wäre sonst eine eher seelenlose Geschichte oder ein lediglich chic klingendes Investment geworden. Daran haben wir aber kein Interesse. Auch wenn wir hier nicht dauerhaft wohnen, sind wir sehr regelmässig vor Ort. Für unser Team, für die noch laufenden Umbau- und Sanierungsarbeiten und natürlich für alle weinbezogenen Themen.

AB: Herr Jauch hat einmal so schön gesagt: «Wir haben ja keine Schraubenfabrik gekauft.» Wein lebt von Menschen, wird von Menschen gemacht und so ist eine Identifikation mit dem Thema seitens der Eigentümer enorm wichtig.

GJ: Wir hatten natürlich auch einen großen Vorteil: Die Qualität der Weine befand sich bereits auf einem sehr guten Niveau. Und trotzdem war von Othegraven nicht vielen Menschen bekannt. Frau Dr. Kegel sprach immer von einem «hidden treasure». Wir hatten das Glück, dass das Wichtigste hier schon sehr gut war: der Wein. Aber Keller, Technik, Lager, Gebäudezustand und Marketing – da war und ist der Restrukturierungsbedarf doch ganz erheblich.

WL: Was für ein Typ Weintrinker waren Sie denn vor Ihrem Engagement für von Othegraven?

GJ: Meine Sozialisierung war etwas seltsam. Bis 30 habe ich überhaupt keinen Alkohol getrunken. Als ich dann längere Zeit in Bayern war und mich in Biergärten nicht durch das Bestellen von Limo lächerlich machen wollte, begann ich dann Weißbier zu probieren. Mit Weintrinken fing ich dann erst in Berlin an, so mit Ende 30. Und das war in der Regel Rotwein.

TS: Einige Jahre vor der Übernahme hier haben wir aber dann – hauptsächlich durch Geschenke von Freunden – Spaß an dem Thema Wein gefunden. Mittlerweile sind wir natürlich auch in Restaurants Weinen gegenüber sehr aufmerksam und diskutieren gemeinsam die Weinkarte. Und auch zuhause holen wir gerne mal etwas aus unserem Keller …

GJ: «Unser Keller» hört sich gut an, der besteht aber nur aus 50 Flaschen; wenn’s hoch kommt! (Gelächter)

TS: Aber das Interesse für das Thema, die unterschiedlichen Länder und Rebsorten und Ausbaumöglichkeiten, ist einfach da.

WL: Im Zusammenhang mit der Übernahme wurden die Etiketten und das gesamte Kommunikationskonzept überarbeitet. Inwiefern trägt dies Ihre Handschrift?

GJ: Das haben wir zusammen gemacht. Natürlich mit professioneller Unterstützung einer Agentur. Die empfahl uns übrigens Markus Schneider. Wir wollten eine neue, modernere Richtung einschlagen, ohne das Althergebrachte ganz hinter uns zu lassen. Ich denke, das ist uns ganz gut gelungen: Die Agentur hat für die neue Ausstattung auf Anhieb den Red Dot Design Award gewonnen. Und weil wir da ein bisschen «mitgewurschtelt » haben, steht uns der Preis zu 10 % auch zu (lacht).

WL: Können Sie denn, nach nunmehr zweieinhalb Jahren, eine erste Zwischenbilanz ziehen?

GJ: Nun, der Start war durch den sagenhaften Jahrgang 2009 natürlich denkbar gut. 2010 hat uns dann sehr schnell auf den Boden der Tatsachen zurückgebracht. Auf einmal war da nu rnoch die Hälfte der Vorjahresmenge zur Verfügung. 2011 war wieder in jeder Hinsicht positiv und auch 2012 hat uns eine schöne, reife Frucht gebracht, wenn auch mengenmäßig wieder etwas weniger als in 2011. Das heißt: Wir haben bereits eine Sinuskurve mit gewissen Amplituden hinter uns. Im Sommer hoffen wir, das Gröbste an Umbau- und Erweiterungsarbeiten hinter uns zu haben.

WL: Gab es denn für Sie persönlich gewisse «ups and downs» in der ersten Zeit?

GJ: Ich war mir von Anfang an unsicher, ob wir mit zehn Hektar die richtige Betriebsgröße haben. Mein Verdacht war, dass wir mit der Mannschaft und der existierenden Struktur mittel- und langfristig so nicht über die Runden kommen. Und wie der Zufall es so wollte, ergab sich dann auf einmal die Möglichkeit, die 3,5 Hektar grosse Lage Wawerner Herrenberg zu erwerben. Eine absolute Top-Lage, die im Übrigen Anfang des 19. Jahrhunderts schon einmal zu von Othegraven gehörte. Zudem hatten wir im Altenberg eine Brache, die mich lange Zeit ärgerte. Die konnten wir jetzt für 20 Jahre dazu pachten, so dass wir jetzt auf insgesamt 15 Hektar kommen. Diese neue Fläche ist zwar noch nicht voll nutzbar, aber schon ein guter Anfang in Richtung Expansion. Und in Vorbereitung darauf haben wir jetzt auch in Sachen Keller und Flaschenlager aufgerüstet.

WL: Resultieren aus dieser Expansionsstrategie auch Veränderungen für die Weinherstellung selbst?

GJ: Nein, hier bleiben wir der eingeschlagenen Richtung treu. Sorgfältige Handarbeit in unseren Steillagen ist Pflicht und auch im Keller ist Qualität weiterhin wichtiger als Quantität. Am Anfang kamen viele Hiobsbotschaften zusammen: Der Traktor ist am Ende, der Aufsitzmäher ist kaputt, der 43 Jahre alte Unimog hat einen Motorschaden und eine Freundin des Hauses ist tatsächlich in die Spülmaschine gefallen (Gelächter). Da hatten es unsere Vorfahren leichter: Noch um die vorletzte Jahrhundertwende konnte von Othegraven kostendeckend arbeiten, indem das Gut lediglich ein Prozent der gesamten Produktionsmenge verkaufte. Alles «on top» war Reingewinn. Das war die Zeit, als «unser» Wein bei Hofe getrunken wurde und dreimal teurer als die besten Bordeaux-Weine war. Alte Weinkarten aus den besten Restaurants Europas künden noch heute von diesen glücklichen Zeiten.

AB: Inzwischen haben wir bei der Aufteilung des Weintypus für eine Veränderung gesorgt. Othegraven hatte schon immer mehr trockene Weine als an der Saar üblich. Und hier haben wir nochmals etwas nachgelegt – auch wenn uns die traditionsreiche Prädikatslinie nach wie vor wichtig ist und wir diese Klaviatur auch gut spielen. Aber uns war und ist klar, dass ein gewisser Mengenabsatz über die trockenen Weine laufen muss. Insbesondere wenn man, wie wir, nur ca. 10 % Exportanteil hat.

WL: Gehen Sie damit dem Problem aus dem Weg, dass es besonders in Deutschland immer noch gewisse Vorbehalte gegenüber restsüßen Weinen gibt?

AB: In gewisser Weise schon, auch wenn die Zahl der Freunde von restsüßen Weinen in den letzten Jahren eklatant gestiegen ist. Insbesondere Kabinettweine sind ja mittlerweile ein ganz spannendes Feld. Aber das Thema ist sehr beratungsintensiv. Der Gelegenheits-Weintrinker – und das sind nun einmal die meisten – haben immer noch große Vorbehalte. Es besteht immer noch der Irrglaube, dass Weine mit Restsüße grundsätzlich Kopfschmerzen machen und klebrig süß sind. Und solange sie eine hervorragende Riesling Auslese für 15 Euro kaufen können und im Supermarkt steht eine Flasche mit identischer Bezeichnung für 2,99 Euro, inklusive Kopfschmerzgarantie, wird sich daran kaum etwas ändern. Das bekommt der Verbraucher einfach nicht auf die Reihe.

GJ: Problemen gehen wir aber damit nicht wirklich aus dem Weg. Da wir alle Weine spontanvergären, sind unsere trockenen Weine in jungen Jahren nicht immer leicht zu verkosten – insbesondere die Großen Gewächse. Sie zeigen einfach noch nicht ihr volles Potenzial. Dadurch haben wir es in Verkostungsberichten über neu erschienene Riesling-Jahrgänge häufig schwer. Die Belohnung für unsere Kunden kommt oft erst ein paar Jahre später.

WL: Herr Jauch, Ihre Prominenz hat der Bekanntheitssteigerung des Weingutes und schließlich dem Absatz der Weine bestimmt geholfen?

GJ: Sicher hat das viele Probierkäufe erzeugt und unsere Angst im ersten Jahr in Grenzen gehalten. Doch wenn der Wein nicht überzeugt hätte, wären wir schnell wieder zurückgefallen. Niemand kauft mir zuliebe einen Wein, der ihm nicht schmeckt.

AB: Wir möchten unseren Prinzipien unbedingt treu bleiben. Wir hätten durchaus in der Anfangszeit den Prominenz-Faktor deutlich mehr ausspielen können, insbesondere bei der Basisqualität. Wir haben uns aber im Sinne des Qualitätsanspruchs bewusst für den traditionellen, aber schwereren Weg entschieden.

GJ: Wir haben ja auch ganz bewusst die Grundsatzentscheidung getroffen, das Weingut nicht umzubenennen, sondern eben der Tradition treu zu bleiben.In kommerzieller Hinsicht hätten wir ja auch «Weingut Jauch» sagen können und ich mache hier den Depardieu. (Gelächter)

WL: Wo sehen Sie sich mit Othegraven in zehn Jahren?

AB: Das ist schwierig zu sagen. Noch wissen wir nicht, ob die 15 Hektar tatsächlich die richtige Grösse sind. Zudem liefern diese exzellenten Lagen momentan ja auch die Frucht für unsere Basisweine. Das ist für den Verbraucher ausgesprochen gut, doch fällt es uns dadurch schwerer, ein breites Sortiment am Markt zu platzieren. Da lässt sich noch etwas «schrauben», da sind wir durchaus nicht blauäugig. Aber kurz gesagt: Wir sind uns sicher, auf dem richtigen Weg zu sein, und möchten unsere Bekanntheit und die Weinqualität weiter erhöhen.

GJ: Für mich wäre es schön, wenn wir in zehn Jahren auf jeder dritten bis fünften Weinkarte vertreten wären. Das ist zwar ein schwerer Weg, aber es ist erklärtes Ziel, auch in der Gastronomie eine gewisse Selbstverständlichkeit für Von-Othegraven-Weine zu etablieren. Da sind wir in den letzten drei Jahren zum Glück schon sehr gut vorangekommen.

WL: Frau Sihler, Herr Jauch, Herr Barth: Vielen Dank für das Gespräch.

 

 

 

 

 
Diese Weine probierte der Weinlakai:

2011 «Max» trocken:

Noch sehr weinig/stoffig in der Nase, dahinter Schiefermineralität und feine gelbe Früchte. Mit mehr Luft etwas offener in der Nase, aberweiter zurückhaltend. Am Gaumen sehr harmonisch mit moderater Säure. Sehr offene und attraktive gelbe Fruchtaromatik,die an Ananas erinnert. Guter und jugendlicher Abgang. Tolle Präsenz für diese Preisklasse. Hier hätte ich sogar einen Tick mehr Säure schön gefunden. Insgesamt ein tolles Preis-Leistungs-Verhältnis.

16+/20 trinken –2016

2011 Herrenberg Kabinett:

Sehr offene undabgrundtief würzige Schiefernase. Dunkle Aromen, die an rote Johannisbeeren erinnern. Schönes Süsse-Säure-Verhältnis am Gaumen. Die Schieferstilistik wird durch eine zarte Frucht etwas abgefedert. Erneut ist hier etwas Rotbeeriges präsent. Sauberer und frischer Abgang. Super interessanter Stoff.

17+/20 trinken –2020

2011 Kupp Kabinett,:

Deutlich zurückhaltender in der Nase als der Herrenberg. Noch primärer/stoffiger. Auch mit von Schiefer geprägter Würze, aber deutlich dezenter, so dass bereits in der Nase eine feine Frucht zum Tragen kommt. Am Gaumen dann subjektiv süsser als der Herrenberg. Eine sehr dichte und leicht dumpfe tropische Frucht, die aber für einen insgesamt weniger harmonischen Gesamteindruck sorgt. Der Wein wird aber sicher in Zukunft zulegen.

16+/20 trinken –2022

2011 Bockstein Grosses Gewächs trocken:

In der Nase erwartungsgemäss verschlossen. Allerdings ist bereits eine grosse, wenn auch dezente Komplexität vorhanden. Aromatisch von den typischen Schiefertönen angeführt. Am Gaumen fulminant mit einem herrlichen Schmelz und bereits sehr guter Balance. Aromatisch noch wenig ausdifferenziert, aber nicht mehr so sehr durch den Schiefercharakter dominiert. So kommt die wunderschöne und vielschichtige Frucht zumTragen. Leider in diesem Stadium alles nur recht subtil vorhanden. Im Abgang lang und säurebetont mit noch leicht bitteren Tanninen, die den jungen Charakter unterstreichen.

18+/20 –2025

2011 Altenberg Spätlese:

Dumpfer Schieferton in der Nase. Die gelbe Frucht versteckt sich meilenweit im Hintergrund. Am Gaumen herrlich frisch und klar. Die Süsse wirkt perfekt eingebunden und ist alles andere als anstrengend. Schöner Schmelz und natürlich wieder Schiefertöne. Noch zu verschlossen für klare Fruchttöne, jedoch eine interessante Aromatik von frischer Gemüsebrühe, die den eher derben Charakter zum jetzigen Zeitpunkt unterstreicht. Schöner, frischer Abgang mit moderatem Nachhall.

17+/20 trinken –2025

2010 Altenberg Auslese Alte Reben:

Deutlicher Botrytis-Ton in der Nase, und auch das Zusammenspiel von Restsüsse und Säure ist bereits sensorisch spürbar. Am Gaumen dann eine dominante Säure, die die Süsse nachhaltig in den Schatten stellt. Das ist zwar keine Balance, aber einfach umwerfend sexy. Aromatisch ganz klassisch für eine schieferbetonte Auslese und im Abgang sehr anhaltend, auch hier natürlich säurebetont. Ein fesselnder Spaßwein mit Langstrecken-Potential.

18+/20 trinken –2030

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4 Kommentare

    • Nun aber noch ernsthaft: Finde das Interview mit G.J. sehr souverän gelungen, informativ, interessant und macht Lesespaß.

      Gratulation!

      Auch dafür, dass man sich „ein Bild machen“ kann.

  1. Das Interview ist absolut ehrlich (halt jauch eben)

    Ohne promi-firlefanz….den Link zu Depardieu ist genial.

    Glückwunsch & Gruss

    Maxe 40

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