Toskana 2.0: ein italienischer Bordeaux aus der Maremma!

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2015 Poggio Trevvalle Montecucco Rosso (Rotwein, Maremma, Italien)

Weine aus der Toskana sind zu unrecht etwas aus der Mode gekommen. Insbesondere Chianti und Chianti Classico gelten für viele Weintrinker mittlerweile als „uncool“. Ich sehe das anders und konnte mich erst letztes Jahr im Rahmen meiner Dienstreise in die Toskana davon überzeugen, dass die Qualitätsdichte der Gegend nach wie vor hoch ist. Insbesondere abseits der ausgetretenen Pfade lassen sich spannende Weine entdecken. Zum Beispiel in der südtoskanischen Maremma. Hier besuchte ich letztes Jahr das Bio-Weingut Trevvalle, doch war mein dortiger Favorit leider ausverkauft. In Retrospektive gut so, denn der Montecucco Rosso ist im aktuellen Superjahrgang 2015 noch besser! Es ist ein wundervoller und extrem ernst zu nehmender Wein. Er besteht zu 60% aus der „Toskana-Pflicht-Rebsorte“ Sangiovese und der übrige Teil setzt sich aus Merlot und Cabernet-Sauvignon zusammen. Dadurch entsteht ein Wein mit italienischen Wurzeln und bordelaisem Herzen. 

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MontecuccoAls ich Umberto Valle zum ersten Mal traf war sofort klar, dass ich es mit einem dieser akribisch und hart arbeitenden Winzern zu tun habe. Der Verkauf seiner Weine ist zwar eine Notwendigkeit, doch merkt man ihm an, dass seine Berufung die Arbeit im Weinberg und -keller ist. Und dabei sieht er sich ganz bescheiden als „Mittel zum Zweck“. Nur durch  kompromisslosen Respekt vor dem Land, dem Klima und dem Rebstock lässt sich ein naturnaher Umgang mit der Herstellung von Wein finden – davon ist Umberto überzeugt.

Dabei geht es im aber nicht um die esoterische Auslegung eines stark landwirtschaftlich geprägten Themas, es geht ihm vielmehr um etwas geradezu trivial anmutendes: die bestmögliche Weinqualität. Natürlich hilft dabei ein Bio-Siegel diese Geisteshaltung auch kommerziell besser verwerten zu können, doch treibt dieser Aspekt einen Mann wie Umberto Valle nicht an.

Umberto
Umberto Valle im Fasskeller der Poggio Trevvalle

Der Montecucco Rosso ist ein gutes Beispiel für seinen Qualitätsanspruch. Der Wein, der in gleichnamigem Weinbaubereich innerhalb der Maremma entsteht, repräsentiert die eingesetzten Rebsorten und den tonhaltigen Boden auf extrem unterverfälschte Art und Weise. Durch das sehr warme Wetter in der Erntesaison 2015 musste man als Winzer zwar aufpassen keine überreifen Trauben zu ernten, doch bei Trevvalle war man auf der Hut: Jeden Tag wurden die Trauben mehrfach probiert und analysiert, um den idealen Erntezeitpunkt festlegen zu können.

So verfügt die heutige Empfehlung über eine sehr schöne Frische und der vergleichsweise hohe Alkoholgehalt wirkt wunderbar integriert. Es ist demnach kein „Marmeladenwein“, sondern eine hochspannende Interpretation eines Sangiovese-geprägten Toskaners, der einen stilistischen Ausflug ins Bordeaux unternommen hat.

Im Holz verbrachte der Montecucco zwölf Monate. Der Holzeindruck ist aromatisch praktisch nicht spürbar, da nur gebrauchtes Holz in überwiegend großen Formaten zum Einsatz kam. Allerdings gibt die Eiche dem Wein eine gute Portion Körper und Tanninstruktur mit auf den Weg. Das macht den Wein nicht nur zu einem „Langstreckenläufer“, er präsentiert sich auch zum Essen fabelhaft… ein gegrilltes Steak kann kaum besser begleitet werden.

Aber auch „solo“ getrunken beeindruckt der Wein nachhaltig. Es lässt sich förmlich in seiner Vielschichtigkeit schwelgen – zumindest sofern man mit Hilfe eines Dekanters etwas Sauerstoff mit ins Spiel bringt oder eine angebrochene Flasche am Folgeabend noch weiter trinkt. In diesem Zusammenhang sei zudem nochmals erwähnt, dass Rotwein nicht bei Zimmertemperatur getrunken werden sollte. Meist reichen 15 Minuten im Kühlschrank aus, um den Wein deutlich gefälliger und weniger alkoholbetont wirken zu lassen.

Ich rate allen Lesern ein offenes Visier gegenüber den vermeintlich aus der Mode gekommenen Toskana-Weinen. Der Montecucco macht zudem deutlich, dass sich die Maremma innerhalb der Toskana noch etwas „under the radar“ befindet, denn in Sachen Preis-Genuss-Verhältnis kann ihm kaum ein Wein aus den etablierten Denominazione das Wasser reichen.

Und auch wenn der Hinweis etwas kommerziell anmutet: Die letzte Empfehlung war in Windeseile ausverkauft und ich erhielt erneut einige E-Mails von enttäuschten Lesern. Da auch der Montecucco sehr limitiert ist gibt es nur ein Rezept gegen eine mögliche Enttäuschung: schnell sein!

2015 Poggio Trevvalle Montecucco Rosso (Rotwein, Maremma, Italien)

Auge: Rubinrot mit hellen Reflexen

Nase: An der Nase eingelegte Kirschen, geriebene Mandelkerne und leichte Gewürznoten, allen voran Kardamom. Aber auch etwas steiniges, mineralisches. Der Cabernet Sauvignon hält sich aromatisch sehr zurück, es ist kaum Cassis zu spüren, jedoch tritt der Merlot gegenüber dem Sangiovese recht deutlich in den Vordergrund. 

Gaumen:  Am Gaumen extrem konzentriert, aber gleichzeitig äußerst leichtfüßig daherkommend und mit viel Luft ein tolles Aromaprofil besitzend. Langer Abgang mit noch kräftigen Tanninen und wunderbarer Frische.

Sonstiges: Besteht zu 60% Sangiovese und jeweils zu 20% aus Merlot und Cabernet Sauvignon. Enthält 15% Alkohol. Bis 2025 zu trinken. Unbedingt mindestens zwei Stunden dekantieren und bei 18 Grad Celsius servieren.

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Stand: 20.04.2017

5 Kommentare

  1. Lieber „Weinlakai“,

    ich folge Ihren Beiträgen etc. schon seit mehreren Jahren. Jetzt muss es aber mal raus….. Wir wissen doch alle, dass Alkohol (genau so wie Fett) ein Geschmacksträger ist. Deshalb wurden und werden immer mehr Weine mit hohem Alkoholgehalt ausgebaut. Ich persönlich kaufe aus Protost keine Weine, die mehr als 13,5 %alc. ausweisen. Das hat nichts mit traditioneller Weinmethode zu tun. Das Sie jetzt aber hergehen und den interessierten Lesern (Weintrinker) empfehlen und raten einen Rotwein nicht bei Zimmertemapratur zu trinken und diesen in den Kühlschrank zu legen, damit der „Alkoholgeschmack“ entschwindet, enttäuscht mich sehr. Soll das ein ernstgemeinter Tipp an erfahrene Weintrinker sein?

    Beste Grüsse

    Andreas Schräder

    • Lieber Herr Schräder,

      danke für Ihren Kommentar.

      In fast allen Weinregionen der Welt lässt sich der Alkoholgehalt aufgrund des Klimawandels nicht mehr so niedrig halten, wie dies noch vor 30 Jahren möglich war. Auch nicht durch „traditionelle Weinmethoden“.

      Sofern der Alkohol aber gut im Wein integriert ist, stellt dies kein Problem dar – selbst bei Weinen mit über 15% Alkohol! Auf der anderen Seite habe ich bereits Weine verkostet, die mit 12,5% sehr alkoholisch anmuteten.

      Daher ist es leider eine häufige Pauschalisierung, die Weinqualität am Alkoholgehalt festzumachen. Das ist zu einfach und in den meisten Fällen schlichtweg unwahr.

      Und wenn es um die ideale Trinktemperatur geht: Es ist völlig unstrittig und auch wohl bekannt, dass unsere Zimmertemperatur (ca. 21 Grad Celsius) für ALLE Rotweine zu hoch ist. Die ideale Trinktemperatur liegt IMMER bei maximal 18 Grad Celsius. Über dieser Temperatur befinden sich die Komponenten im Wein häufig im Ungleichgewicht und treten zu dominant hervor. Nicht nur der Alkohol, sondern kann sich auch Frucht und Säure in einem zu warmen Wein unangenehm zeigen.

      Cheers
      Der Weinlakai

      • Lieber „Weinlakai“,

        besten Dank für die schnelle Antwort und natürlich wollen wir nicht eine nicht-endende-Diskussion verfallen (wobei ich dieses, bei einem Glas Wein, sehr gern tun würde) aber ich möchte trotzdem nochmal kurz Widersprechen. Der „Klimawandel“ nennt sich wohl „Parker“. Es hat sich mittlerweile wohl bis zum letzten Winzer herumgesprochen, dass die Parker-Bewerter eher „höherprozentige“ Weine bevorzugen. Ebenso die internationalen Käufer. Russen, Chinesen, Amerikaner….. lieben Weine ab 14% aufwärts. Gegen ihre Theorie mit dem Klimawandel spricht auch, dass nicht flächendeckend – in einer Region – alle Weine „hochprozentig“ auf die Flasche kommen, sondern eben sehr unterschiedlich. Zum Glück !

        In diesem Sinne verbleibe ich …… Life is too short to drink bad wines

        Beste Grüsse

        Andreas Schräder

        • Hallo Herr Schräder,

          nein, eine nicht endende Debatte müssen wir nicht führen, trotzdem lassen Sie mich bitte die Fakten gerade rücken: Die Veränderungen, die der Klimawandel in Bezug auf den Weinbau weltweit verursacht, sind nicht von der Hand zu weisen. Sie können wirklich jeden x-beliebigen Winzer fragen. In Deutschland, aber auch anderswo. Es ist bei meinen Besuchen vor Ort immer wieder ein Thema.

          In diesem Zusammenhang von einem Parker-Wein-Typ zu sprechen ist für mich schon etwas überholt bzw. eigentlich eine Erscheinung der Vergangenheit. Es ist richtig, dass man hiermit einen besonders kräftigen, körperreichen Wein verbindet, der meist auch mit einer guten Portion Tanninen ausgestattet ist. Mit einem hohen Alkoholgehalt hat das aber nicht unbedingt etwas zu tun. Alkohol steht nicht für Körper oder Struktur eines Weines.

          Und nochmals zum eigentlichen (Wein)Thema: Umberto Valle ist der letzte, der versuchen würde mit seinen Weinen einen vermeintlichen Massengeschmack zu bedienen. Die Erklärung des Alkoholgehalts ist erneut eine klimabezogene:
          Die Ernteperiode war in 2015 nicht per se sehr heiß, doch gab es sehr viele Tage mit Temperaturen um die 28 Grad Celsius. Die guten Winzer haben es zwar geschafft keine überreifen Trauben zu ernten, doch war der Zuckergehalt trotzdem höher als in anderen Jahren. Und Zucker fermentiert nun mal zu Alkohol. Wenn man einen trockenen Wein haben möchte, kann man diesen Prozess auch nicht vorzeitig stoppen.

          Und zu einem früheren Zeitpunkt zu ernten funktioniert ebenfalls nicht, da man sonst riskiert keine ausreichende phenolische Reife zu erhalten… das Ergebnis wäre eine Bitternote, die insbesondere von den unreifen Kernen herrührt.

          Mit anderen Worten: Ein höherer Alkoholgehalt ist keine kommerziell geprägte Modeerscheinung, sondern vielmehr eine Tatsache mit der viele Winzer und Konsumenten umgehen müssen, wenn sie nicht gewisse Weine kategorisch ausschließen möchten.

          Und auch hier gilt: Probieren geht über Studieren. Denn ich gebe Ihnen völlig recht: Wein mit einem störenden Alkoholeindruck sind keine guten Weine, auch nicht bei 18 Grad 🙂

          Cheers
          Der Weinlakai

          • Für diese Darstellung/Erklärung bedanke ich mich sehr herzlich bei Ihnen und wünsche weiterhin viel Erfolg !

            Beste Grüße

            Andreas Schräder

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